„Bist du eigentlich die Superfrau?“ Diese Frage begegnet mir, besonders seit dem ich ein Buch für starke Frauen geschrieben habe, immer häufiger. In kann nur vermuten, was für Gedanken hinter dieser Frage stehen. Es schwingt häufig so etwas Bewunderung mit: „Wow, du hast viel geleistet!“ und etwas Ungläubiges: „Wo ist der Harken?“. Und etwas Ängstliches: „Hoffentlich sagt sie nicht ich soll auch so leben“. Und eine leichte Kritik vielleicht: „Kann sie keine Grenzen setzten?“.

Die Frage hat echt an mir genagt, denn ich wusste keine Antwort. Wenn ich sage „Ja, das bin ich“ – was ja eigentlich mit der Frage suggeriert wird – kommt das arrogant rüber. Und wenn ich sage „Nein, bin ich nicht“, brauche ich eine gute zweite Hälfte für diesen Satz. 

Ja, ich habe zwei Kleinkinder, plane Auszuwandern, arbeite, blogge und habe „nebenbei“ ein Buch geschrieben. Außerdem habe ich eine Familie und Freunde, die ich regelmäßig sehe, treibe Sport und bin aktiv in meiner Kirche. Ja, ich tue viel. Und ich tue es gerne. Und ich möchte mich nicht dafür entschuldigen. 

Vor einer Weile sprach ich auf einer Lesung darüber, was die Frau aus Sprüche 31 alles tat und versuchte es in unsere heutige Zeit zu übersetzten. Als die Frage einer Zuhörerin kam: „Wo geht es denn hier eigentlich mal ums Ausruhen?“ und ich entgegnete – zum Glück schlagfertig: „In diesem Text geht es gar nicht ums Ausruhen“. Können wir nicht mehr von Arbeit sprechen ohne Angst vor Burn-Out zu haben? 

Ich möchte nicht aus Angst Nein zu Dingen sagen, die mir Freude bereiten. Ich möchte nicht um ins Bild zu passen, nur das tun was auch vernünftig erscheint. Ich möchte immer wieder Ja  sagen. Und mit Freude auf Herausforderungen zugehen. Und ich möchte mehr! Es gibt einen Hunger in mir, eine Sehnsucht nach mehr. Ich will wachsen, besser werden, Dinge wagen, Risiken eingehen und am Liebsten die ganze Welt verändern!

img_2721.jpg

Aber bevor hier gleich alle kleinen Psychologen bestürzt in uns aufstehen und mich zum Schweigen bringen wollen, kann ich euch beruhigen: Ich weiß auch, wie sich Burn Out anfühlt. Ich weiß, wie es ist zu so vielen Dingen Ja  gesagt zu haben, dass mich schon de Gedanken daran aufzustehen wieder in mein Kissen befördert. Ich kenne die Berge an Arbeit und die lähmende Leere in mir. Die Verzweiflung und die Resignation. Ich kenne die Angst davor, nicht zu genügen und die Unsicherheit, die einen in den Wahnsinn treibt. Und ich habe sie hinter mir gelassen.

Ich weiß wie es ist überfordert zu sein. Und ich habe mal versucht zu reflektieren, warum ich es immer weniger bin, obwohl ich doch immer mehr tue.

Mir fällt auf, dass es oft nicht die Menge der Arbeit ist, die mich erschöpft werden lässt, sondern die Menge an Stress, den das in mir auslöst. Wenn ich unter Stress an alle Termine und ToDos der nächsten Woche denke, könnte ich glatt durchdrehen. Aber wenn ich sie alle aufschreibe – rausschreibe – und dann Schritt für Schritt durch die nächsten Stunden gehe. Dann lässt es sich gut leben. Dann macht das sogar Freude.

7516788656_IMG_2026_Fotor

Außerdem macht es für mich einen riesigen Unterschied, für wen ich arbeite. Arbeite ich für das Lob und für möglichst wenig negative Kritik? Dann ist die Erschöpfung vorprogrammiert. Die vermuteten Erwartungen anderer, lösen in mir Stress aus. Und wenn ich ehrlich bin, ist der Grund dafür, dass ich in solchen Momenten nicht sicher bin, woher mein Wert kommt. Liegt er in mir oder wird er von außen bestimmt? Wenn ich ihn in mir nicht finden kann, versuche ich es anderen recht zu machen und dabei noch gut auszusehen – damit sie mir Wert zusprechen. Und wenn sie es nicht tun, arbeite ich mehr und besser und härter. Und sehe dabei immer weniger gut aus, werde immer härter. Wie ein gepeitschtes Pferd gallopiere ich durch die Prärie auf der Suche nach einer Oase – und finde sie nicht. Denn die Oase ist nur in mir zu finden. In meinem geschöpften und geschenkten Wert. Ich bin wertvoll und du bist es auch. Und keine Kritik und kein Lob dieser Welt kann jemals etwas an diesem Wert ändern.

Und wenn ich beginne, mich als dieses kreative Geschöpf zu sehen, das ich bin, als eine Frau in der so viele Quellen den Inspiration noch nicht genutzt werden, dann weckt das in mir Leidenschaft das alles zu entdecken und auszuschöpfen. Tatsächlich sehe ich mich mehr als eine Leitung, durch die Energie fließt. Die Leitung selbst muss die Energie nicht erzeugen – kann sie gar nicht. Sie gibt sie nur weiter. Und das tue ich. Ich gebe weiter. Die Kraft, den Mut, die Liebe die ich bekommen habe. Und die ich immer wieder bekomme. Ich habe den Eindruck, je mehr ich geben, desto mehr bekomme ich. Und das macht Spaß! Das ist schön. ich will nie wieder anders leben. Denn es ist so unanstrengend – so frei.

Ich arbeite nicht damit ich etwas wert bin, sondern weil ich es bin.

Und ich habe Vorbilder. Menschen und Frauen, die weitaus mehr bewegen als ich. Die oft älter sind und meistens einflussreicher. Und ich wehre mich gegen den Gedanken, mich zu fragen: „Wo ist der Harken?“ und nach Schwachstellen zu suchen, damit ich im Vergleich besser wegkomme. Ich will immer wieder fragen: „Was kann ich von ihnen lernen?“ und ich will mehr. Und ich kann auch noch mehr. Durch mich kann noch mehr passieren, als ich heute weiß. Und durch dich auch.

Ja, wir sind Superfrauen. Wenn wir mal ganz ehrlich sind, sind wir es alle.

 

IMG_2598

 

Andere Poste zum Thema: Was mir unter Druck hilft und wie Stress mich besser macht // Wie wäre es mit einer Pause? // Routinen einer Rebellin // Wir haben eine Stimme, um anderen eine zu geben // Wie normale Menschen die Welt verändern // Biografie-Buchempfehlungen

 

3 Antworten auf „„Bist du eigentlich die Superfrau?“

  1. Wenn man für etwas brennt, dann verursacht das auch keinen Burnout, denke ich. Ich nehme mir auch immer recht viel vor und mein Mann fragt, ob ich denn nicht ausgelastet sei? Jain. Manchmal ja, manchmal nein. Ich finde es schön, meine Ziele zu haben und auch meine Freizeit spannend zu gestalten. 🙂

    Gefällt mir

  2. Schöner Artikel. Ich finde den Gedanken auch gut, dass du von Anderen lernen möchtest, wenn dir ihre Produktivität gefällt. Ich würde gerne von deiner lernen. Wie strukturierst du dich denn? Hast du das Buch spät abends geschrieben? Bereitest du das Essen vor, wenn du am Tag viele Termine hast? Arbeitest du mit Wochenplänen? Hast du eine feste Zeit, zu der du zu Hause sein MUSST, um das Abendprogramm zu schaffen? Treibst du morgens Sport? Freue mich für dich, dass du dich wohl fühlst und angenehm ausgelastet:) Viele liebe Grüße:) Dana

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s