Manchmal bin eine ich Rebellin. Als Teenager habe ich Türen geknallt, weil ich nicht länger draußen bleiben durfte und heute frühstücke ich drei Brote mit Schokoaufstrich, einfach weil es mir niemand mehr verbieten kann. Seit einer Weile gibt es noch eine andere Form von Rebellion in mir. Ich rebelliere gegen den Stress, gegen das Leistungsdenken und gegen „Wenn, ich das jetzt nicht mache, wer wird das dann machen? Und wenn niemand es macht, vielleicht geht das morgen die Welt unter?“ in meinem Kopf. 

Diese Gesellschaft, mein eigener Wunsch zu gefallen und Dinge zu schaffen und effektiv und Produktiv und besser als alle anderen sei zu wollen, haben mir die Freude am Sein genommen. Rauben mir die Momente in denen es still ist. Um mich und in mir. Der Glaube, dass die Dinge an mir liegen und mein Lebensglück in meiner Hand und alles in diesem Leben von mir geschaffen werden muss, nehmen mir das Vertrauen und den Glauben an jemanden der für mich sorgt, bei dem ich mich anlehnen kann und bei dem ich sein kann. Und ich rebelliere. Gegen mich. Und gegen die Gesellschaft. 

Meine Rebellion bringe ich seit mehreren Monaten ganz praktisch zum Ausdruck: Ich tue einmal die Woche 24 Stunden lang nur was mir gefällt. Alles was nach Spiel, nach Freude, nach Lust, nach Freiheit riecht und was keinen direkten Nutzen oder Gewinn abwirft ist in dieser Zeit genau das richtige für mich. Ich mache Pause. Von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Ich bin einfach. Ich.

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Ich habe zu diesem Thema schon einige Artikel geschrieben, zum Beispiel hier oder hier ganz am Anfang meines Blogegrdaseins oder hier auf Englisch bei Leweeza. Aber jetzt kamen auf Instagram vermehrt Fragen auf, wie ich das denn genau mache. Und tatsächlich habe ich da ein paar kleine Tricks entwickelt, wie das auch wirklich klappt. Und habe ein paar Ideen, wie das in Zukunft noch besser klappen kann – denn lasst euch nicht täuschen; es gibt auch hier die Tage wo es „einfach heute nicht anders geht“ oder wo „das jetzt wirklich noch gemacht werden muss“ oder „der Termin aber schon so lange feststand“. Aber die Rebellin in mir glaubt an dieses Prinzip und so arbeiten wir weiter daran. Hier ein paar Sachen die ich beachte(n will):

 

Putzen

Wir haben einen gemeinsamen Putztag. Jede Woche putzen wir einen Vormittag alle gemeinsam die Wohnung. Da ich mehr zu Hause bin, übernehme ich den Haushalt hier im Alltag. Aber ich bin so froh und so dankbar, dass meine Kinder ihren Vater regelmäßig putzen sehen. Und, dass unsere Wohnung der Ort ist den wir gemeinsam nutzen und sauber machen. Seitdem Liam den Spiegel geputzt hat, hat er z.B. aufgehört seinen Joghurt-Mund daran abzuschmieren. Irgendwie ist ihm jetzt bewusst, dass man das dann wegmachen muss. Die Kinder werden bei uns aber nicht zum Mitmachen gezwungen, sie dürfen Spielen oder helfen und sie helfen sehr gerne. Wir wollen uns diese freiwillige Hilfsbereitschaft nicht durch Druck kaputt machen. 

Wenn dann die Wohnung einmal grundgereinigt ist, fällt es mir so viel leichter zu entspannen! Ich mache dann in den nächsten 24 Stunden natürlich noch den Abwasch oder räume mal das Spielzeug weg, aber manchmal auch nicht. Manchmal sage ich mir einfach: „Das kann sicher auch bis morgen da liegen“.

 

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Vorausschauen

Am Tag vor dem großen „Frei“ gehe ich auch meine ToDo Liste einmal durch und gucke, ob noch etwas brennt. Wenn ich es noch schaffe, mache ich es noch vorher. Wen nicht, sage ich kurz Bescheid, dass ich erst übermorgen dazu kommen werde, mich darum zu kümmern.

 

Reden

Ich habe die Ideen für diesen Pausentag aus dem Buch „Emotionally Healthy Leadership“ und habe das dann einfach direkt so bei uns eingeführt. Was ich unbedingt noch machen möchte ist, mit meinem Mann mal ausführlich darüber zu sprechen und ihm mein Herz dahinter zu zeigen. Denn langfristig müssen ja alle von dieser Idee überzeugt sein. Außerdem möchte ich in Zukunft einen festen Tag haben – bisher variiert das immer noch, weil bei uns so viel los ist und Termine häufig schon so langfristig feststehen. Da wird jede Woche neu geplant. Und wenn dieser Tag feststeht, möchte ich gern eine Abwesenheitsnotiz in den Email und meinen Freunden und Familie vielleicht auch Bescheid geben. Umso klarer wir im Vorhinein kommunizieren, wie wir leben wollen umso weniger Missverständnisse und Enttäuschungen gibt es. Und vielleicht sind ja sogar einige inspiriert von dieser Form der Pause.

 

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Genießen

Jetzt kommen wir zu dem worum es eigentlich geht: Den Tag genießen. Denn es geht an diesem Tag nicht darum nichts zu machen. Es geht darum, die schönen Dinge zu machen. Das sind natürlich für jeden andere Dinge und bei einer Familie gibt es da auch unterschiedliche Interessen und so gibt es da wohl kein Rezept für alle. Wir probieren da auch noch. Aber bisher genieße ich es, etwas leckeres zu kochen oder zu backen, nicht um uns zu ernähren, sondern um uns eine Freude zu machen. Ich höre dabei gute Musik, mache die Fenster auf, lasse das Handy aus. Ich spiele mit den Kindern, mache einen Mittagsschlaf mit meinem Mann und sitze einfach mal rum und gucke ins Nichts. Oder wir machen einen Ausflug zusammen. Ich versuche auch, mir an diesem Tag Zeit zu nehmen, mich mit guten Gedanken zu füllen und mich inspirieren zu lassen. Ich höre ein Hörbuch, eine Predigt oder lese etwas Gutes. Und dann gehe ich aus diesem Tag erfrischt, gestärkt, erfüllt und erholt. Und ich mache am nächsten Tag meine Augen auf und merke, die Welt hat sich tatsächlich weitergedreht, mein Bett steht noch am gleichen Ort, ich habe immer noch Freunde und einen Job 😉 

Für mich waren die ersten Ruhe-Tage tatsächlich total herausfordernd und erschreckend. Ich habe da gesessen und mich ganz ernsthaft gefragt: Und was mache ich jetzt? Soll ich jetzt ein Bild malen oder was? Ich hatte keine Ahnung mehr, was mir einfach Freude bereitet! Ist das nicht krass? Wenn es dir auch so geht, lass einfach die Rebellin in die aufstehen! Sie wird einfordern, dass das so nicht weitergehen kann und, dass du so nie leben wolltest. Sie wird dir sagen, dass das Leben zu kurz ist um es mit Pflichten zu füllen und, dass es an der Zeit ist, dass du lernst was du magst. Es ist an der zeit, dass wir das Leben genießen und lernen, dass es ausreicht zu sein. Und ich glaube, erst wenn wir uns selbst einfach mal genug sind, entdecken wir was wir wirklich freiwillig tun wollen. Und wenn wir dann beginnen, die Dinge zu tun, weil wir sie lieben und nicht mehr Sachen tun, damit wir geliebt werden, dann wird das unser ganzes Leben verändern. Aber das wäre jetzt schon ein neuer Artikel. Aber ihr merkt, oder? Da steckt so viel gutes drin in einer Pause! 

Was meint ihr? Habt ihr Erfahrungen mit solchen Pausen? Habt ihr solche oder ähnliche Routinen? Wie kommst du zur Ruhe?

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P.S.: Das Rezept für den Kuchen gibt es hier. Für die Runde Form brauchte ich etwas weniger Teig. Aber ich muss ehrlich sagen, ich war mit dem Boden nicht ganz zufrieden. Ich glaube ich würde beim nächsten Mal vielleicht lieber einen lockeren Bisquit-Boden nehmen. Und ich habe alle Beeren erst zusammen mit dem Eischnee auf den Boden getan. Sie war alles knackiger und frischer!

 

Und wenn du mal nicht weißt, was du tun sollst mit deiner freien Zeit, findest du ja vielleicht hier auf meiner Liste meiner Lieblingsbücher auch eins für dich.

9 Antworten auf „Wie wäre es mit einer Pause? // Routinen einer Rebellin

  1. Hallo Sarah, sehr inspirierend! So wäre eigentlich der Sonntag gedacht… auch bei uns eher ein Arbeitstag, da mein Mann Pfarrer ist. Es klingt total cool und steht „eigentlich“ auch auf meiner Liste… danke für den Anstoss! Ich kann mir vorstellen, dass man sich am Anfang etwas „hilflos“ fühlt, aber all meine Erfahrungen mit Ruhetagen und offline sein sind durchwegs gut. Das Buch habe ich mir übrigens auch grad gekauft, aber noch nicht gelesen 🙂 Herzliche Grüsse, Sonja

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  2. Hallo Sarah, finde ich gut wie du dir freiheit schafft um dann ausgeglichen zu sein. Ich nehme mir auch solche Pausentage ( mann sollte es nicht glauben, aber Singels brauchen das auch)und nutze sie um zu lesen. Das heisst ein gutes Buch , bibel ist eh fest eingeplant. Oder je nach Jahreszeit, einfach auf dem Sofa sitzen und ueber alles nach-zu denken. Gott segnedich mit Familie reichlich. Liebe Grüsse Doro Thea

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  3. Ohh, das kenne ich nur zu gut! Diese Stimme im Kopf, die sich manchmal einschleicht und dir sagt, mach das besser und schneller als alle anderen! Ich habe mir angewöhnt – und ich muss sagen, es funktioniert mittlerweile auch sehr gut – einfach zu sagen: STOP! Ich bin ich und nicht wie jemand anders und ich mache es so, dass es für mich ok ist und wie ich es will! Und ich kann dir nur dazu raten, es einfach durchzuziehen, denn seither lebt es sich viel leichter. Es war eine der besten Entscheidungen diesen Druck in mir, jedem und allen immer alles recht zu machen, los zulassen. 🙂 Leider gibt es noch Tage, an denen ich in das alte Muster zurückfalle, aber dann nehm ich mich jedes Mal selbst an der Nase und versuche, wieder umzudenken. Und vor allem wie du geschrieben hast, es ist ganz wichtig genießen. Ich versuche auch immer wieder mal einen Tag einzubauen, an dem ich wirklich keine Verpflichtungen/Termine habe und nur das tun kann, worauf ich Lust habe und meinen Tag so gestalten kann, wie ich es möchte. lg Doris von Seegeflüster

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