Würde ich das nochmal so machen?

Ja, ich habe zwei Kinder im Abstand von 15 Monaten bekommen. Ja, das war gewollt und geplant. Ob ich das nochmal machen würde? Also in den nächsten 15 Monaten sicherlich nicht 😉 Aber wenn ich nochmal vor der Entscheidung stehen würde?

Ob wir ein zweites Kind wollten, war für meinen Mann und mich nie eine Frage. „Mindestens zwei Kinder“ haben wir immer gesagt. Da war also nur noch der Zeitpunkt unklar. Im Nachhinein kann ich es gar nicht mehr verstehen. Ich erinnere mich auch nicht mehr. Aber es muss wohl so gewesen sein, dass ich mir gewünscht habe schwanger zu werden, als unser Sohn gerade einmal 4 Monate alt war. Verrückt? Ja, finde ich jetzt auch. Aber damals war es irgendwie so normal. Gewollt. Ersehnt.

Schwanger

Ich erinnere mich aber auch an den Moment des positiven Schwangerschaftstests. Tatsächlich erst sehr kurz nachdem wir diesem Wunsch überhaupt „nachgegangen“ waren. Ich habe geweint und gesagt: „Das kann ich nicht. Was haben wir uns gedacht!?“ Diesen Gedanken und dieses Gefühl habe ich bis heute immer wieder mal. Im Wechsel mit dem Gedanken: „Wow, es ist einfach wunderschön und richtig genau so, wie es ist“

Am meisten hat mich, glaube ich, die Schwangerschaft herausgefordert. Ich hatte eine unkomplizierte erste Schwangerschaft und Geburt und war schnell wieder fit. Dennoch hatte mein Körper kaum Zeit sich zu regenerieren und musste in der zweiten Schwangerschaft nicht nur den Babybauch, sondern auch immer ein weiteres Baby auf dem Arm tragen. Mir blieb nichts anderes übrig, denn mein Sohn entschied sich erst 3 Monate nachdem das Baby da war, seine ersten Schritte zu machen. Ich hatte unglaubliche Rückenschmerzen und habe die Schwangerschaft kaum genossen. Ich habe mich dafür einfach nur auf mein Baby gefreut.

Die Entthronung

Als ich meinen Sohn Liam – damals 15 Monate – 3 Stunden nach der Geburt das erste Mal wieder sah, hatte ich das Gefühl, ich hatte ein neues Baby und gleichzeitig ein neues Kind bekommen. Plötzlich war er in meinen Augen groß! Er war in einem Moment von „meinem Baby“ zu „meinem Großen“ geworden. Und ich glaube ich habe deshalb häufig zu viel von ihm erwartet. Er hätte wohl noch etwas länger klein sein dürfen, wenn Schwesterchen später gekommen wäre.

Auf der anderen Seite ist er dafür echt ein toller selbständiger kleiner Mann geworden. Mit gut einem Jahr konnte er ohne Hilfe essen, mit zwei Jahren zieht er sich Jacke und Schuhe selbst aus, deckt den Tisch, spielt gerne mal etwas alleine und räumt mit auf. Ich habe ihn schnell selbst machen lassen, weil ich nicht immer sofort eingreifen konnte und einiges hat er gelernt, weil es ihm einfach zu lange gedauert hat, zu warten bis ich Zeit für ihn hatte. Das finde ich echt schön.

Auch die ganze Sache mit der Entthronung war bei uns eigentlich überdurchschnittlich schnell abgeharkt. Liam war ja so klein, dass er sich nach wenigen Wochen gar nicht mehr daran erinnern konnte, dass es einmal ein Leben ohne seine Schwester gab. Eifersüchtig sind natürlich beide Kinder immer mal wieder aufeinander. Aber das ist denke ich bei jedem Altersabstand normal.

Liam war außerdem das erste Enkelkind für beide Großeltern und eins der ersten Kinder im Freundeskreis. Er bekam deshalb eigentlich überall die ungeteilte Aufmerksamkeit. Das hat seinem Selbstbewusstsein sicher nicht geschadet. Trotzdem finde ich es nach wie vor schön, dass er jetzt nicht mehr „alleine“ unter Erwachsenen ist.

Was das mit mir gemacht hat

Ich selber finde mich als Mutter von zwei Kindern wesentlich unverkrampfter und sympathischer. Ich werde hier zwar am laufendem Band niemandem gerecht, ich mache ohne Ende Fehler und komme immer wieder an meine Grenzen, aber ich bin jetzt auch viel entspannter, gelassener und erfahrener. Deshalb bin ich froh, dass die „Einzelkind-Phase“ so kurz war.

Ich denke auch ab und zu darüber nach, dass jetzt wo Liam zwei Jahre alt ist, eigentlich der „normale“ Zeitpunkt wäre um mit einem zweiten Kind schwanger zu werden. Und dann lächle ich heimlich in mich hinein und denke „Check! Das hast du schon hinter dir!“. Mein zweites Kind krabbelt jetzt schon über den Boden, zaubert uns täglich tausend Mal ein Lächeln aufs Gesicht, himmelt ihren Bruder an, kann gebabysittet werden und feiert bald ihren ersten Geburtstag!

Und für das Baby?

Manchmal frage ich mich, wie das wohl für Nova ist. So einen kleinen großen Bruder zu haben? Und ich kann es nicht beantworten. Hätte ich ihr mehr Aufmerksamkeit schenken können, wenn Liam schon älter wäre? Vielleicht. Hätte sie vielleicht weniger Bausteine an den Kopf bekommen? Eventuell. Hätte sie seltener eine Weile warten müssen, weil ihr Bruder jetzt „dran“ war? Hätte sie einen Bruder gehabt der schon versteht was „warten“ bedeutet, vielleicht.

Aber wenn ich ihr strahlen über das ganze Gesicht sehe, sobald sie ihren Bruder sieht. Wenn ich beobachte was für ein gelassenes Baby sie, bestimmt auch durch das eine oder andere Mal warten, geworden ist. Dann habe ich überhaupt nicht den Eindruck, dass ihr die Bausteine und die Warteminuten geschadet haben. Vielmehr sehe ich ihre Freude über einen Bruder der sie aus seiner tiefsten kleinen Seele liebt.

Mein Zwischenfazit

Besonders freue ich mich schon auf diesen Sommer! Irgendwie war der Sommer 2017 immer so ein Fixpunkt auf den ich „hingearbeitet“ habe. Nova ist dann eins und Liam zweieinhalb. Ich finde das ist beides so ein tolles Alter! Ich stelle mir vor, dass dann vieles einfacher ist, weil beide zum Beispiel das gleiche essen und beide laufen können. Während der Schwangerschaft haben mir viele gesagt: „Das erste Jahr ist super anstrengend und dann wird es wunderschön!“ Bisher kann ich sagen, das stimmt bei uns auf jeden Fall. Mit jedem Monat wird es einfacher. Obwohl es auch schon wunderschön war als es superanstrengend war. Aber es war tatsächlich richtig, richtig anstrengend – das kann man nicht anders sagen. Auf der anderen Seite ist es irgendwie auch immer superanstrengend wenn man ein Kind bekommt. Egal welcher Altersabstand, oder?

Ob ich das nochmal machen würde? Ich glaube diese Frage würde keine Mutter mit „Nein“ beantworten. Ich sehe meine zwei Kinder und ich liebe alles an ihnen! Ihre kleinen Körper, ihre Persönlichkeiten, ihre Stärken, ihre Schwächen, ihren Charakter und ihr Alter. Sie sind perfekt für mich! Ja, ja, ja, ich würde das immer wieder machen. Sofort!

Ich sehe die beiden zusammen spielen, beobachte Liam wie er seiner Schwester Küsschen gibt und sehe ihr breitestes, schönstes Lächeln, wenn ihr Bruder morgens in ihr Bettchen krabbelt. Das ist unbezahlbar! Das ist es alles wert gewesen. Jeden Tag Rückenschmerzen, jeden Moment der Überforderung. Zwei unter zwei – das war das beste was uns passieren konnte!

Ob ich das anderen raten würde? Das weiß ich nicht. Das hängt vermutlich sehr von der ganzen Familiensituation ab. Von der eigenen Belastungsgrenze und psychischen Verfassung. Auch von der Persönlichkeit des ersten Kindes. Aber wenn für dich das alles dafür spricht, dann lass dich nicht entmutigen von allen anderen die sagen, das sei verrückt. Es kann auch verrückt und wunderschön werden!

8 replies on “Zwei unter zwei – Ein Zwischenfazit

  1. Liebe Sarah, mein großer Bruder ist 18 Monate älter als ich, und ich kann zwar die Mama-Seite nur erahnen, aber die innige Beziehung und wunderschöne Kindheit mit so einem Alterabstand kann ich Dir bestätigen. Ich habe übrigens auch einen kleinen Bruder, der ist dann 3,5 Jahre jünger als ich. Also hat auch meine Mutter dann etwas gewartet. Jetzt, mit 28, 26, und 22 ist das alles natürlich längst verwachsen und ich bin auch mit dem kleinen Bruder sehr eng (was früher nicht so war). Ich wünsche Euch alles gute, danke für diesen schönen Erfahrungsbericht.

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  2. Das liest sich wunderschön, auch wenn ich mir die Anstrengung denken kann…. Ich hätte gern mal einen kleineren Altersabstand gehabt, aber unsere fünf Kinder sind je ca 3 Jahre auseinander aus verschiedensten Gründen. Jetzt finde ich das – wie du – einfach toll, so wie es ist. Die Frage, ob das denn geplant und gewollt war, die kenne ich auch! Witzig… Es scheint da so eine unausgesprochene Regel zu geben: zwei Kinder, junge und Mädchen, Abstand 3 Jahre“. Und was abweicht, wird beäugt… Lies doch mal den allerersten Blogbeitrag auf meiner noch jungen Seite, wenn du magst 😉 Titel: „Ihr Kinderlein kommst – aber wie viele?“ Lieber Gruß, Martha http://www.familienlebenmitgott.wordpress.com

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  3. Da möchte ich dir mal von meiner Erfahrung erzählen, die eine ganz andere ist. Wir haben drei Jungs und immer im Abstand von 6 Jahren bekommen und ich finde es wunderbar. Wir konnten jedes einzelne intensiv genießen. Das es so geplant war kann ich nicht sagen, wir kamen gar nicht auf die Idee ein weiteres zu wollen, bis der jeweils jüngste sagte: „das kann ich schon ganz alleine!“ Immer erst dann wuchs der erneute Wunsch.
    Und sie sind sich trotzdem nah und beobachten die Entwicklungsschritte der anderen, so wohl in die eine, als auch in die andere Richtung. In dem Abstand hätte ich immer weiter machen können.
    Ich habe sogar einmal eine Familie kennengelernt, die hatten 3 Töchter, im Abstand von jeweils 9 Jahren, war einfach so.

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