Ich erinnere mich noch an die ersten Woche mit meinem Sohn. Noch nie zuvor hatte ich so eine Liebe gefühlt. Ich sah ihn an und musste lächeln, er weinte und alles in mir wollte ihm helfen. Er brachte mich um meinem Schlaf und ich war bereit alles für ihn aufzugeben – einfach so. In mir war eine Zuneigung entstanden, mit der ich nicht gerechnet hatte und die ich nicht verstehen konnte – aber ich genoss sie. Es war wunderschön so zu lieben!

Manchmal dachte ich an Mütter, die ihre Kinder schütteln oder schlagen oder anschreien und schüttelte innerlich den Kopf. Hatten sie denn diese Liebe nicht? Nein, so etwas würde mir nie passieren.

Plötzlich Mecker-Mama

Heute lese ich Artikel wie diesen hier übers Kinder anschreien von Sarahplusdrei und finde mich viel zu sehr darin wieder. Mein Sohn ist kein Baby mehr, er ist nicht mehr immer flauschig und unschuldig und hilflos. Manchmal ist er trotzig, böse, voller absichtlicher Fehler und Respektlosigkeit. Mir gegenüber – seiner Mutter, die alles für ihn opfert! (oder?) Und irgendwie fühle ich mich von ihm angegriffen, nicht wertgeschätzt und werde deshalb leicht genervt. Er verhält sich nicht, wie er sollte. Und manchmal gehen meine Emotionen mit mir durch. Immer öfter. Manchmal will ich einfach ausziehen. Diese ganzen Hormone und Gefühle diesem kleinen hilflosen Baby gegenüber sind dem Mama-Gemecker einem kleinen Trotzkopf gegenüber gewichen. Und ich liebe mein Kind nicht mehr. Ja, das klingt krass, aber letztens musste ich mir eingestehen, dass es leider wahr ist. Ich ließ mich über Wochen nur von meinen Emotionen leiten. Bisher hatte ich mich oft genug auf sie verlassen können. Sie waren übergeschäumt vor Liebe! Doch heimlich still und leise haben sie sich über die letzten zwei Jahre verändert und viel zu oft schäumen sie jetzt vor Wut.

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Und während ich darüber nachdenke fällt mir auf, dass es mir nicht nur mit meinen Kindern so geht. Auch bei neuen Freundschaften ging es mir häufig so: Am Anfang ist alles an der anderen Frau toll und umso mehr man sich kennenlernt, kommen doch Schwächen zum Vorschein. Und in der Beziehung zu meinem Mann war es doch auch so. Früher oder später wich die rosa Brille der Realität und ich fand mich in einer Ehe mit einem ganz normalen unperfekten Menschen – wie ich selbst auch einer bin.

Entschiedene Liebe

Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich war in eine Falle getappt! Ich hatte begonnen zu glauben, dass ich allein meinen Emotionen folgen könnte, dass sie vertrauenswürdige Leiter für mein Leben wären. Aber das ist leider nicht wahr. Emotionen sind oft schön, sie bereichern mein Leben und ich mag sie generell. Aber sie müssen meinen Entscheidungen folgen, nicht anders herum! Denn sie können auch negativ, hässlich und egoistisch sein. Liebe wird oft von schönen Emotionen begleitet wird. Aber wirkliche, treue, lange Liebe folgt nicht ihren Emotionen, sondern der Entscheidung auch über die emotionalen Täler hinweg zu lieben. Und über die Trotzphasen. Und die Respektlosigkeit. Und all die Fehler.

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Und diese Liebe fordert Opfer. Ich merke, wie sie mich Kraft kostet, emotionale Kraft und innere Stärke. Doch sie hinterlässt mich voll. Ich entscheide mich, mich noch einmal geduldig hinzuknien und noch einmal zu erklären, weshalb wir nicht mit Gummistiefeln auf den Küchentisch klettern. Ich koche meinem Mann ein leckeres Essen, obwohl ich den Eindruck habe, er hätte mir ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken können in den letzten Tagen. Ich schreibe meiner Freundin eine nette Nachricht – einfach so. Und ich beginne ganz vorsichtig zu lieben. Ohne Gegenleistung, Erwartung und ohne, dass mein Gegenüber sich das verdient hat. Und es ist das BESTE! Ich liebe weil ich mich dazu entschieden habe, komme was wolle! Ich liebe nicht mehr, weil es sich gut anfühlt, sondern weil es das Beste ist. Ich liebe, um den anderen “höher zu achten als mich selbst”. Mir ist es wichtiger, dass es ihm gut geht, als mir selbst.  Ich liebe jetzt nicht mehr reaktiv, abhängig von dem Verhalten des anderen. Ich liebe anstatt dessen aktiv und besonders viel, wenn mein Gegenüber sich nicht liebenswert verhält.

„I have found the paradox, that if you love until it hurts, there can be no more hurt, only more love.“

Mutter Teresa

Gottes Liebe weitergeben

Ich werde diesem Maßstab natürlich nur ganz selten gerecht – aber allein der Wunsch so zu leben, verändert mein Verhalten doch schon. Und ich habe das beste Vorbild dazu. Denn genau so vorbehaltlos, selbstlos, bedingungslos und aktiv ist Gottes Liebe. Mit dieser Liebe liebt er mich  – mit all meinem Schwächen und Fehlern. Und dich auch! Ich habe bisher nirgendwo eine bessere Liebe gefunden und diese Liebe ist es, die mein Bedürfnis nach Liebe stillt. Diese Liebe ist nicht nur mein Vorbild, sie ist auch meine Quelle. Meine Kinder, Mann Freunde sind die Personen an die ich diese Liebe weiterleite, nicht diejenigen die mir Wert und Anerkennung geben.

Umso mehr freue ich mich, wenn ich dann merke, dass meine Kinder langsam beginnen wieder liebevoller miteinander und mir umzugehen, seitdem ich mich entschieden habe sie unabhängig von meinem Emotionen zu lieben. Und ich bin einfach so dankbar, diese Liebe wieder entdeckt zu haben. Mit ihr ist einfach alles besser!

„I’ll choose you. And I’ll chose you over and over and over. Without a pause, without a doubt, in a heartbeat. I’ll keep chosing you.“

Unbekannt

12 replies on “Warum ich aufhörte mein Kind zu lieben

  1. Ich fand nach der ersten Geburt, dass ein Kind all die Gefühle, die man vorher schon kannte, intensiviert. Und zwar alle Gefühle, nicht nur die Liebe. Alles erlebe ich intensiver und tiefer, auch Wut oder Angst… Dich an höchsten steht die Liebe 🙂

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      1. Ich hatte als erstes ein Schreikind… Und Schlafmangel ist ja Folter, sagt man. Ich war über mich selbst erschrocken, aber das war manchmal schwer auszuhalten. Das ständige Schreien, der fehlende Schlaf. Nachts war ich manchmal wütend auf mein Kind, obwohl ich eigentlich doch wusste, das ist keine böse Absicht. Ich glaub, das kam durch das psychische und physische Fix-und-fertig-sein. Ich habe zugleich intensiv gespürt in dieser Situation, dass ich Gottes Hilfe nötig habe.

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  2. Den anderen höher achten als sich selbst und trotzdem das 3fache Gebot der Liebe nicht vergessen. Auch Selbstfürsorge und – liebe ist wichtig und darf dabei nicht vergessen werden :).

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    1. Da hast du vollkommen recht Caro! Doch ich glaube, dass ich mich selbst auch am Beste liebe, wenn ich meine Kinder liebe. Hier ist ja nicht die frage, ob ich sie oder mich liebe sondern ob ich auf ihr negatives Verhalten zornig/emotional oder liebevoll/entschieden reagiere.

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  3. Dein Beitrag hat mich zum Nachdenken gebracht. Auch ich habe einen Sohn, der mich zur Weißglut treiben kann und manchmal habe ich abends nichts mehr gefühlt. Es auf diesem Wege mal anders zu versuchen und Gott dabei um Hilfe zu bitten, fühlt sich nach einer Chance an. Aber so ganz einfach klingt es auch nicht. 🙂
    Danke für Deinen Beitrag!
    Liebe Grüße, Sophia

    http://www.memamamini.com

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    1. Liebe Sophia, ich freue mich, dich inspirieren zu dürfen! Du bist nicht alleine und einfach ist es auch nicht – aber wenn wir ehrlich sind ist das wütende meckern ja auch nicht wirklich einfach und gut tut es ja auch uns selbst nicht. Also ist die echte Liebe glaube ich unsere beste Chance =) Alles Liebe!!

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  4. Liebe Sarah! Dein Eintrag hat mich sehr berührt. Ich kann mich genau erinnern an solche Momente, wo ich innerlich geschockt festgestellt habe, dass grad keine Liebe, sondern nur noch Wut in mir ist. Da ist wie etwas in mir zerbrochen. Und es war wie bei dir: Ich habe mich für die Liebe entschieden, und Gott hat mehr als wiederhergestellt. Danke für deinen Mut! Liebe Grüsse, Sonja

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