Du hast gesagt, dass du den Gedanken, ein Kind zu bekommen und alles was mit einer Schwangerschaft zu tun hat, etwas gruselig findest, nachdem du ein Buch darüber gelesen hast. Und du hast gefragt, ob ich keine Angst gehabt hätte, dass alles nicht zu können? Und davor Wochenbettdepressionen zu bekommen oder eine furchtbare Mutter zu werden. Und, dass du dich deshalb noch nicht traust, ein Kind zu bekommen…

Als ich meinen ersten positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, war ich überglücklich. Und im nächsten Moment voller Angst. Ich war überwältigt, von der Verantwortung. Ab jetzt würde alles, was ich tue, auch einen anderen kleinen schutzlosen Menschen beeinflussen. Alles was ich aß, sagte, fühlte und tat, würde dieses kleine „es“ mitbekommen.

Als ich meinen zweiten positiven Schwangerschaftstest anstarrte, dauerte es nicht lange, bis die ersten Tränen rollten: „Was haben wir uns gedacht?“ sagte ich mit etwas Vorwurf im Ton zu meinem Mann. „Ich kann das nicht!“ – er streichelte mir glücklich über den Rücken und sagte nur leise: „Das hast du bei Liam auch schon gesagt. Du bist eine tolle Mama!“.

Ist man jemals bereit Mutter zu werden?

Ich glaube nicht. Wir werden nie unseren Ansprüchen an eine Mutter wie wir sie uns wünschen würden gerecht werden. Wir werden niemals der perfekte Mensch sein, der ein Kind ohne ihm zu schaden, es zu verletzten oder ihm von Zeit zu Zeit Unrecht zu tun. Wir entscheiden uns mit der Entscheidung für ein Kind auch dafür, unseren Schmerz und unsere Verletzung ein Stück weit weiterzugeben. Doch in all dem entscheide ich mich auch für Gnade. Mit mir selbst und mit meiner Geschichte. Denn durch all die Brüche und durch all unsere Fehler, kann das Licht von dem Scheinen, der all unsere Fehler vergibt. Ein ernst gemeintes „Entschuldigung“ nach einem Wutausbruch, kann zeigen, dass es Hoffnung gibt. Nicht nur für Mamas, die Fehler machen, sondern auch für Kinder.

„We are broken. We break open, so the light gets in“

– Ann Voscamp

Als ich damals eine erfahrene Mutter vor meiner ersten Schwangerschaft fragte, ob sie es nicht verrückt finden würde, wenn ich jetzt ein Kind bekommen würde antwortete sie: „Nein, es ist nicht verrückt. Aber es wird auch nicht immer einfach, aber eines kann ich dir versichern: Du wirst das niemals bereuen“. Bis heute hat sie recht behalten. Keinen einzigen Moment, habe ich diese Abenteuer bereut. Nicht einmal während der Geburt, während durchwachter Nächte, abgesagter Geburtstagsparties und geopferter Freiheit.

Version 2

Wann wird man zur Mutter?

Wann wird man denn zur Mutter? Mit dem ersten positiven Schwangerschaftstest? Oder erst nach den ersten kritischen 12 Wochen? Bei der Geburt? Oder schon bei der Entscheidung, ein Kind zu wollen?

Ich glaube, man wird noch viel früher Mutter. Es hat schon begonnen. Mutter wird man nicht in einem Moment oder ganz plötzlich – man wird Mutter. Schritt für Schritt in einem Prozess. Und man ist niemals eine „fertige“ Mutter, wir wachsen täglich in unsere Mutterrolle hinein. In unsere ganz persönliche. Denn „Mutter“ ist kein Hobby, oder Lifestyle oder ein neuer Job, den wir uns zulegen. Wir sind Mütter. Mit allem was wird sind, wie wir sind und mit allem was wir erlebt haben und wozu wir geschaffen wurden.

Schon als wir im Bauch unserer Mutter waren, lernten wir Dinge übers Mutter-Sein. Unsere Kindheitserfahrungen lernten uns, wie Mütter sind und wie sie besser nicht sind. Als Teenager schworen wir uns, „nie so zu werden, wie unsere Mutter!“ und sind es dann später als Mütter doch plötzlich. Wir werden zur Mutter in jedem Moment, den wir näher auf die Zukunft zugehen. Wir sind schon Mütter, in gewisser Hinsicht bevor wir Kinder haben. Und wird werden immer mehr zur Mutter auch wenn wir schon Kinder haben. Mutter wird man nicht in einem Moment. Mutter wird man in einem Leben.

Und was mache ich mit der Angst?

Du siehst ihr direkt ins Gesicht. Und du sagst ihr, dass sie nicht siegen wird. Du sagst ihr, dass alles was du brauchst um Mutter zu sein nicht Fehlerlosigkeit, sondern Gnade ist. Du sagst ihr, dass du dich zwar nicht bereit fühlst, aber jeden Schritt mutig gehen wirst. Nicht, weil du perfekt bist, sondern, weil du mutig bist.

Du fühlst dich nicht bereit, Mutter zu werden? Du hast Angst? Du bist nicht allein! Wir haben alle Angst. Um unsere Freiheit um unsere Kinder. Angst vor Schicksallschlägen und der Verwantwortung. Angst vor Fehler und Angst, zu versagen. Angst, nicht gemocht zu werden und unseren Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

„Und unsere Liebe kennt keine Angst, weil die vollkommene Liebe alle Angst vertreibt.“

– 1. Johannes 4:17, Die Bibel

Aber wenn wir dieser Angst nicht in die Augen blicken und uns entscheiden uns nicht vor ihr leiten zu lassen, werden wir nämlich niemals die Liebe erleben, die hinter der Angst auf uns wartet. Ein Kind zu lieben, ist keine „Happy,clappy“-Liebe. Eine Geburt ist schmerzhaft und Erziehung auch und die Verantwortung ist manchmal überwältigend – aber die Liebe ist noch überwältigender! Ein huntertfaches größer als die Angst! Ich habe so etwas noch nie zuvor gespürt. Der Moment in dem du dein Kind nach Stunden des mutigen Schmerzes in den Händen hälst – nass und klein. Und wenn dein Herz und deine Augen sich mit Liebe füllen, die langsam deine Wangen hinunterläuft. Der Moment in dem du nachts schlaflos ein schlafloses kleines Wesen schaukelst. Erschöpft und von einer Kraft getrieben, die keine Grenzen kennt: Mutterliebe. Nächte in denen du geduldig hälst, was dir anvertraut wurde und leise flüsterst: „Ich bin da, ich bin hier bei dir. Hab keine Angst.“. Das erste Mal, das du dich bei deinem Kind entschuldigst und die Nachsichtigkeit dieses kleinen Menschen erfährst. Das erste Mal, dass dein Kind dir mit ausgestreckten Armen entgegen läuft… Ein „Mama“ aus seinem Mund in deine Richtung. Ein aufrichtiges „Danke“ für eine Kugel Eis… all diese wunderbaren Momente!

Ein Kind zu bekommen ist keine Belastung. Denn die Liebe, die dir mit deinem Kind geschenkt wird, trägt all die Lasten für dich. Die Liebe ist so viel stärker, größer, tiefer als alles was ich mir vorher vorstellen konnte. Ich lerne eigentlich erst als Mutter, was es bedeutet, bedingungslos zu lieben. Und es macht mich zu einem zerbrechlicheren aber besseren Menschen. Schritt für Schritt.

Bis ich eines Tages, diejenigen sein werde, deren Kopf gestreichelt wird – von meinem Kind. Bis zu dem Tag an dem ich mich von dieser Welt verabschiede und meine Augen sich ein letztes Mal mit Tränen der Liebe füllen und ich ein letztes Mal „Danke“ und „Entschuldigung“ sage. Bis zu diesem Moment, werde ich zur Mutter . Jeden Tag. Und Licht wird durch all meine Zerbrochenheit scheinen – und wir werden das niemals bereuen.

„If I know what love is, it’s because of you“

– Hermann Hesse

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7 Antworten auf „Was hinter der Angst vor dem Mutter-Werden wartet

  1. wunderschön! Dein Text berührt mich sehr, hab ihn bereits weitergeleitet.
    Selten so ein schönes, ausdrucksvolles Bild gesehen von Mutter und Kind nach der Geburt…

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  2. Das ist so wunderschön geschrieben. Mein Herz ist bei jedem Wort jedem Gedanken mitgegangen. Ich bestätige deine Gedanken aus vollstem Herzen: du wirst es nie bereuen Mutter zu sein. Ich durfte 5 Kinder großziehen, mittlerweile sind sie alle erwachsen. Durch Höhen und Tiefen sind wir gegangen. Wir lachten und weinten miteinander, das tun wir auch noch jetzt, wo sie erwachsen sind. Ich beteue nicht einen Moment und würde mich immer wieder so entscheiden.
    Danke für diesen wunderschönen Beitrag. 😍

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