„Den Weg den Sie einschlagen ist der Beste den es gibt. Kein anderer Weg wird Sie und die Menschen die sie unterstützen so sehr verändern wie dieser“ hörte ich den Mann in meinem Hörbuch über spendenbasierte Projektfinanzierung sagen. Und ich lachte innerlich kopfschüttelnd auf. Hörte ungläubig weiter zu. 

„I won’t bow before you now“ (Ray Garvey)

Ich war schon länger für das Fundraising eines Vereins verantwortlich und war deshalb kein unbeschriebenes Blatt auf diesem Gebiet. Aber ich hatte das immer im Auftrag von jemandem gemacht und jetzt ging es plötzlich um uns selbst. Und unser Leben sollte für unser Projekt in Äthiopien von der Großzügigkeit anderer abhängig sein. Ich machte mich auf einen harten, unbequemen und steinigen Weg gefasst – ich konnte mir viele bessere Wege vorstellen, wenn wir mal ehrlich sind. Ich hatte richtig Angst.

Und hinter der Angst entdeckte eine Materialistin, wie sie im Buche steht: Ich. Um was hatte ich Angst? Ich glaube,  ich hatte Angst Dinge zu verlieren, die ich eigentlich gar nicht brauche. Denn es sind Dinge. Aber wenn man nie ohne sie gelebt hat – ohne die Versicherungen, die Zahlen, den Zehnjahresplan – denkt man, sie seien wichtig fürs Glück.

 

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„Du kannst nur einem dein Leben geben: Jesus oder dem Geld.“ (vgl. Bibel)

Sich der Macht des Geldes loszusagen, ist keine Voraussetzung um von Gott geliebt zu werden – wer wäre das dann schon? Aber ein Gefangener kann nicht frei sein und genauso kann ein Freier nicht gefangen sein. Manche Dinge lassen sich nicht miteinander vereinbaren. Mein Weg mit Jesus ist voller Freiheit und für Geld zu leben bedeutet immer, davon gefangen zu sein.

Und langsam werde ich frei. Ich bin noch längst nicht da – aber ich habe schon ein paar Sachen gelernt:

Ich arbeite nicht für Geld

Denn ich arbeite nicht mehr für das Geld. Das Geld arbeitet für mich. Das Geld was auf unser Konto fließt, ist nicht mehr mein Ziel. Ich habe immer häufiger Menschen vor Augen. Und das Geld, das ich verwalte arbeitet für diese Menschen. Die Bestimmung meines Geldes ist nicht, das Anhäufen von Dingen und das Kompensieren meines Selbstwertgefühls. Es ist da um Menschen zu ermutigen, zu bestärken und zu verändern. Deshalb liebe ich Geld und ich möchte gern große Mengen davon verwalten, wenn ich die Wahl habe. Denn Geld macht Träume möglich. Geld kann helfen Frieden zu schaffen, Armut zu lindern, Herzen zu heilen, Geld kann Grenzen überwinden, Mauern einreißen und da Frieden machen wo Krieg war und Freude wo Trauer herrschte. Mit Geld kann man jede Menge machen – es arbeitet für mich. Und ich für andere.

 

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Geld ist kein Erfolg

Geld ist wichtig, denn das Geld verwirklicht das Ziel. Auch die Summen auf unserem Spendenkonto sind entscheidend, denn sie sagen etwas über den Einfluss den wir nehmen können und über unsere Möglichkeiten. Aber ich habe keine Summen im Kopf, die meinen Erfolg beschreiben. Mein Erfolg ist zu tun, was ich kann und meine Berufung zu leben. Das Geld ist eine Komponente, die das möglich macht. Es ist wichtig. Aber nicht entscheidend. Entscheidend ist, ob wir das wollen was wir tun. Ob wir unseren Weg gehen. Ob wir das richtige tun. Darauf soll mein Herz sich ausrichten, danach will ich mich sehnen. Was ich tue ist erfolgreich oder nicht, unabhängig davon wie viel ich dafür bekomme.

All the stories that you tell, of your riches and your wealth, they don’t make you a better man (Ray Garvey)

 

Geld sagt nichts über mich

Es sagt nichts mehr über meinen Wert, meinen Verdienst oder meine Zukunft. Was mich ausmacht ist, wer ich bin, wenn ich viel Geld habe und wenn ich wenig Geld habe – und ob ich dann immer noch dieselbe bin. Was macht ausmacht lässt sich nicht bezahlen und nicht verkaufen und nicht stehlen. Was mich ausmacht ist der Schatz in meiner Seele – mein befreites Ich. Du kannst dir alles kaufen – das gibt es nicht für Geld. Du kannst mir alles nehmen – aber das ist nicht verkäuflich.

Actually, I don’t have a sense of needing anything personally. I’ve learned by now to be quite content whatever my circumstances. I’m just as happy with little as with much, with much as with little. I’ve found the recipe for being happy whether full or hungry, hands full or hands empty. (The Message, Phil. 4:11)

„Den Weg den Sie einschlagen ist der Beste den es gibt. Kein anderer Weg wird Sie und die Menschen die sie unterstützen, so sehr verändern wie dieser“, höre ich heute kopfnickend. Mit Tränen der Rührung in den Augen. Immer wieder öffne ich mein Emailpostfach oder WhatsApp oder nehme Anrufe entgegen und kann meinen Augen nicht trauen. Ich komme gar nicht hinterher. Denn ich kenne seitdem wir diesen Weg gehen, Geldsummen hinter denen bewundernswerte Menschen stehen, die sich ebenfalls entschieden haben loszulassen und frei zu werden. Die Dinge, wie die die wir planen, wichtiger finden als Nummern auf ihrem Konto. Und das bewegt, das macht ruhig, das gibt Mut – das ist besser als jede Lohnabrechnung die ich bisher erhalten habe!

Und die Freiheit immer unabhängiger von Zahlen zu sein, ist besser als jeder Reichtum den ich mir vorstellen kann. 

„I won’t bow before you now. We’re not the same.“ (Ray Garvey)

Ich erlebe immer mehr, wie wenig mein Glück von den Zahlen und Summen und falschen Versprechen des Geldes abhängig ist. Und wie die Materialistin in mir immer mehr stirbt, je unwichtiger mir all das wird. Und, ja, ich würde gerne sehr viel Geld verwalten dürfen. Ich würde gern noch vieles ausprobieren, sehen und haben – weil mein Leben schön ist. Aber noch mehr würde ich gerne noch vieles geben und bewegen und verändern. 

Den Materialismus hassen und das Geld lieben. Geht das? Ich glaube der Schlüssel zum Frieden mit dem Geld liegt nicht im wenig haben oder im viel haben, sondern daran, weder von dem was wir haben, noch von dem was wir nicht haben, abhängig zu sein. Ich bin auf dem Weg – und ich liebe ihn! Er hat mich und die Menschen, die ihn mit mir gehen, schon jetzt verändert.

 

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Mehr über unser Projekt erfahren und Teil davon werden kannst du hier.

Die Zitate sind aus dem Song „Won’t bow before you“ von einem meiner Lieblingssänger, Ray Garvey. Er hat ihn geschrieben, als ihm bewusst wurde, dass das Traumhaus für das er lange gearbeitet hat, ihn nicht glücklich machen wird.

 

3 Antworten auf „Materialismus hassen und Geld lieben. Geht das?

  1. Hallo liebe Sarah,
    gerade stolperte ich über Deinen Beitrag und freue mich an Deiner authentischen Sicht- und Schreibweise zum Thema Geld! DANKE dafür!
    JA! Ich kann den Weg bestätigen und gehe ihn selber seit Jahren: GELD benutzen, aber nicht „brauchen“. Geld als „Wertmaßstab“ hinter sich lassen… Ich arbeite schon seit Jahren nicht mehr für Geld; bin bestens ausgebildet… bin und helfe, wo es mich eben hinführt… und damit führt es auch das dafür menötigte Geld zu mir… es ist, seiner Natur nach, eben ein Medium… wir Menschen haben s irgendwann ge-/erfunden… seitdem benutzen wir es leidenschaftlich gern… und meist mit Abhängigkeitsgefühlen…
    Solche Abhängigkeiten möchte ich gerne durchbrechen helfen… auch die Abhängigkeit von diesem „Virus der Bewertung“, über den es erst zu dem wird, was es heute für die meisten Menschen ist: ein „Lebensmittel“, Machtmittel, Grundlage der Existenz…
    NEIN: Alles nur in unseren Köpfen… und inneren Programmen…
    Packen wir es an der Wurzel! Erkennen wir die Mechanik, den Irrtum!
    Für Interessierte:
    Auch ich arbeite an diesen Themen, puzzle an einer neuen Weltsicht:
    http://wirsindeins.org/2018/08/31/neues-miteinander-leben-aber-wie-03/
    Viel Freude beim lesen!
    Von Herzen
    Johannes Anunad

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  2. Einfach wow. Danke für deinen tollen Beitrag! Ich habe diese Woche für dieses Thema gebetet, da ich mich im Moment fühle, als würde ich alles ausgeben in der Hoffnung darauf glücklich zu werden. Ich weiss selber, dass mich Materialismus nicht erfüllen kann und doch probiere ich es immer wieder. Deine Gedanken haben mich gerade richtig weiter gebracht und ich glaube fest daran, dass das eine Gebetserhörung ist. Vielen Dank liebe Sarah!

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