Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Mein Herz ist voll und mein Kopf auch. Voller Unordnung. Ich könnte weinen und lachen gleichzeitig und habe Bauchschmerzen und möchte mich am Liebsten übergeben. Und dann rieche ich schon die Luft, die nach Tropen und Wüste riecht und ich höre schon die drönenden Lautsprecher aus den Taxis. Ich höre morgens den Muezzin rufen und abends dir Grillen zirpen und trotz aller Unordnung weiß ich – ja, das ist es: unsere Zukunft.

Wir wandern aus. Für eine Weile.

„Great people do things before they’re ready“

– Amy Poehler

Ich glaube nicht, dass ich besonders „great“ bin. Aber ich weiß, ich bin auf jeden Fall nicht ready. Und vermutlich gibt es einfach Dinge, für die ist man nie ready – außer man macht sie trotzdem. Joyce Meyer sagt „then do it afraid.“, wenn man zweifelt ob man etwas tun soll, weil man zu viel Angst hat. Ja! Wir wollen nicht warten, bis wir keine Angst mehr haben. Wir machen uns bereit, es auch mit Angst in den Gliedern zu tun.

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Es fühlt sich an, wie auf dem Wasser laufen. Als würde der feste Boden unter den Füßen plötzlich nachgeben – und dennoch Schritt für Schritt tragen. Wir bewegen diese Gedanken ans Auswandern nun schon eine Weile und wir glauben, der Himmel persönlich hat sie uns ins Herz gelegt. Und dennoch ist so vieles unklar. Wo werden wir wohnen? Was werden wir arbeiten? Werden die Kinder in den Kindergarten gehen? Wie wird sich dieses Abenteuer finanzieren? Was werden wir zum Frühstück essen? Werden wir Freunde finden? Wann kommen wir wieder? „Du fällst nie tiefer als in Gottes Hand“, predige ich mir dann selbst während ich auf dem Drahtseil des Lebens spazieren gehe.

Afrika also. Der Kontinent an den ich schon als ich neunzehn war, ein Teil meines Herzens verloren habe. Dorthin wo mein Herz im Anblick von so viel Not gebrochen wurde. Und ich merke wie es bricht. Zuerst bei dem Gedanken an meinen Komfort. Dann bei dem Gedanken an meine Kinder. An Malaria. An schmutziges Wasser und unsichere Infrastruktur. An meine Freunde und Eltern und meine Kirche und meine Nachbarschaft. Und gerade letztens – einige Tage nachdem wir ganz endgültig entschieden hatten, dass wir gehen – saß ich auf dem Wohnzimmerfußboden und sah meine Kinder fröhlich durch die Wohnung krabbeln und laufen. Sie machten Quatsch miteinander und lachten aus ganzem Herzen. Ich machte einen inneren Schnappschuss von diesem Moment und sehnte mich danach, alles so zu lassen wie es ist. Es ist doch sehr schön so!

Doch mittlerweile beginnt mein Herz nicht nur wegen der Veränderung, die das für unsere Familie bedeutet und wegen meiner eigenen Komfortzone zu brechen. Es bricht bei dem Gedanken an die Menschen denen wir begegnen werden. Während ich mir wünsche, dass alles bleibt wie es ist, gibt es Menschen am anderen Ende der Welt, die wissen, ihre Kinder sterben, wenn sich nicht endlich etwas verändert. Während ich mich frage, ob ich mir Fairtrade Café leisten kann (oder wenn wir ehrlich sind: ob ich will), fragt sich die Frau die den Café für mich angepflanzt und geerntet hat, vielleicht ob sie heute etwas essen wird. Nicht was, ob. Und ich erinnere mich an Kinder, die noch nie im Leben mehr als ein T-Shirt besessen haben. An Bäuche aufgebläht von den Würmern, die ih ihnen wohnen. Ich erinnere mich an HIV-kranke sterbende Kinder, an verhungernde Babies… und mein Herz bricht. Es bricht auseinander, bricht auf.

„We break so the light get’s in“

– Unknown

Ich hatte all diese Ungerechtigkeit, all diese Tränen und all meine Hilflosigkeit diesem Unrecht gegenüber in eine Kiste ganz weit hinten in meinem Herzen gesteckt. Ich hatte die Box beschriftet mich „Die Not ist zu groß, als das ich etwas tun könnte. So ist es halt.“ und da stand sie. Ich hatte all die Argumente parat: Man kann nicht jedem helfen. Es gibt auch in Deutschland Not, sie sieht nur anders aus. Es muss sich politisch und global etwas verändern, alles andere ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Richtige Antworten, gute Argumente. Für den Kopf. Doch das Herz ist immer noch gebrochen. Überwältigt. Wütend. Traurig. Hilflos. Voller Tatendrang. Vielleicht gehe ich ja dieses Mal, damit mir geholfen wird. Vielleicht bin ich gar nicht die die Hilfe bringt, sondern die Bedürftige?

„There’s brokenness that’s not about blame. There is brokenness that makes a canvas for Gods light“

– Ann Voskamp, The Broken Way

Ja, da gibt es noch viele offene Fragen. Und viel Angst und viel Unordnung. Aber wir gehen Schritt für Schritt, solange das Wasser trägt…

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8 replies on “Auswandern: Wir wagen den Schritt!

  1. Hallo liebe Sarah, ich habe deinen Blog erst entdeckt und bin schon so froh, hier gelandet zu sein 🙂 Und jetzt stehen wir vor einer ähnlichen Situation 🙂 Mein Mann und ich werden Deutschland im Dezember verlassen, erstmal für 7 Monate und wir machen eine Bibelschule, bei der dann ein Auslandseinsatz folgt (im Pazifik).

    Bin gespannt, wie es bei euch weiter geht. Gott führt ❤
    Love, anni

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