Wir haben im Kinderzimmer eine Papierkette hängen. Jeder Ring steht für einen Tag „bis wir nach Afrika fliegen“. Die Idee habe ich vom Blog „Die kleine Botin“ und sie hilft die Kindern die Zeit zu begreifen. Und heute hängen da noch neun Ringe. Und ich glaube ich begreife es langsam. Ich begreife die Zeit, mit meinen Händen und mit meinem Herzen. „Noch neun Tage“ sickert es langsam in mein Herz. 

Jetzt ist es soweit. Nach den vielen letzten Malen der vergangenen Wochen, kommt nun bald der letzte Montag, Dienstag, Mittwoch. Das letzte Mal Einkaufen in Deutschland, das letzte Mal  die Wohnung saugen, das letzte Mal Wäsche waschen… Das letzte Mal das Bett machen. Das letzte Mal die Taustür abschließen. Es sickert. Sinkt in meine Realität. Es ist soweit!

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Die Kinder hatten diese Kette für den letzten Monat. Doch ich kenne diese Kette schon seit über eineinhalb Jahren. Sie hängt in meinem Kopf seitdem wir vor langer Zeit gesagt haben: „Ja, das wollen wir“. Zeitweise war die Kette so lang, dass ich dachte, sie würde niemals enden. Manchmal war ich allein durch die Anwesenheit der Kette mit meinen tiefsten Ängsten konfrontiert. Manchmal wurde sie plötzlich kurz und dann waren die Tage trotzdem lang. Manchmal konnte ich zwar die Ringe an der Kette zählen, doch ihre Bedeutung nicht messen. Und plötzlich sind es nur noch neun Tage. 

Seit einem Tag in einem April vor langer Zeit arbeiten wir auf diesen Tag in neun Tagen hin. Erst war es eine Entscheidung, die wir „nach heutigen Standpunkt und bestem Wissen und Gewissen“ getroffen haben. Mit der Einstellung nun vertrauensvoll, ohne Druck und doch mit allem was wir haben darauf hinzuleben. Und wir wollten das zwar, aber in mir gab es immer eine vor Enttäuschung warnende Stimme die sagte: „Vielleicht kommt auch alles ganz anders. Vielleicht klappt das nicht.“ Und dennoch gingen wir einen Schritt nach dem anderen. Manche voller Freude, manche voller Wut, andere voller Zweifel, wieder einen mit Tränen in den Augen. Manchmal dachten wir, wir würden rückwärts gehen oder uns im Kreis drehen, doch dann kamen plötzlich ein ganzes Stück weiter. Wir gingen und die Kette blieb und wurde langsam, sehr langsam kürzer. 

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Irgendwann wurde unsere Entscheidung mehr und mehr Realität und der Gedanke „Vielleicht wird das nichts“ wurde zu „Wissen wir was wir da entschieden haben? Und wollen wir das?“ Immer wieder lautete unsere Antwort: Ja, ja und immer wieder ja. 

Und plötzlich sind es noch neun Tage. 

So fühlt es sich an:

Plötzlich.

Unerwartet.

Aus dem Nichts.

Und genauso sieht es sicher auch oft von außen aus. Andere sind erfolgreich, weil es einfach so kam. Von heute auf morgen. Und andere leben ihren Traum, weil es sich einfach so entwickelt hat. Und ja, es gibt diese Geschichten. Aber das ist nicht unsere Geschichte. Und vielleicht ist es auch nicht deine.

Jeder noch so lange Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Vielleicht sind unsere Geschichten eher die, in denen an einem Tag eine Entscheidung getroffen wird und am nächsten Tag immer noch schmutziges Geschirr in der Spüle steht. Geschichten in denen große Träume mit kleinen Schritten beginnen. Vielleicht sind wir eher die Menschen, die jeden Tag einen Schritt vor den anderen setzten. Manche voller Freude, manche voller Wut, andere voller Zweifel, wieder einen mit Tränen in den Augen. Und dann plötzlich sind es noch neun Tage. 

Denn wenn lange Wege mit dem ersten Schritt beginnen, enden sie auch irgendwann mit dem letzten. Unsere Schritte in Richtung unserer Ziele und Träume gehen nicht ins Leere. Sie sind nicht das Ende. Aber das Ende ist in Sicht. Es kommt.

Also, wenn ich dir heute – neun Tage vor unserem Abflug – etwas sagen darf, dann wäre es das hier: Träume groß und starte klein. Entscheide heute, wo du einmal hin möchtest – wenn du es weißt. Auch wenn es unwirklich klingt. Auch wenn es Risiken birgt. Auch wenn es unsicher ist: Geh los. Einen Schritt nach dem anderen. Manche voller Freude, manche voller Wut, andere voller Zweifel, wieder einen mit Tränen in den Augen. Und irgendwann wirst du ankommen. Heute ist ein guter Tag weiter zu gehen.

Du bist immer nur eine Entscheidung weit von deinem neuen Leben entfernt.

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