Na klar ist da das Risiko von Überforderung und Chaos, wenn ich mich allein mit meinen vier Kindern zwischen 7 Jahren und 10 Monaten auf den Weg zu einem Tagesausflug mache. Es gibt die Möglichkeit, dass ich da in aller Öffentlichkeit und unter Beobachtung von Fremden zwischen den laut kundgetanen Bedürfnissen eines weinenden Babys und eines willensstarken Kleinkinds stehe und für einen Moment nicht weiß, was ich machen soll, damit weiterhin alle sicher sind.

Es gibt die Möglichkeit, dass einfach keine Ruhe einkehrt. Dass ich die ganze Zeit die Hände voll zu tun habe, weil mich alle 5 Minuten jemand anders braucht. Es könnte sein, dass sich so eine richtig miese Stimmung breit macht und am laufenden Band gepiesackt, gestritten und gemault wird und ich richtig gefrustet bin, dass ich mir dafür die ganze Mühe gemacht habe und gestern extra noch Pizzaschnecken gebacken habe (zwischen denen jetzt Sand klebt, weil irgendjemand im falschen Moment damit geschmissen hat) und alle möglichen Taschen im Auto verstaut habe und doch die Sonnencreme vergessen habe.

Aber lass mich dir etwas sagen: Es gibt auch die Möglichkeit, dass es richtig gut wird. Auch zu Hause kostet mich die Betreuung der Kinder viel Kraft. Auch dort gibt es kaum Raum – oft weniger – für mich einen Moment Ruhe zu genießen. Auch dort gibt es Streitereien, Überforderung und mal Chaos. 

Also, was wäre, wenn es richtig gut wird? Was, wenn es sich lohnt? Was, wenn du mit jedem Mal etwas mehr Sicherheit gewinnst und ihr dort wertvolle Erinnerungen schafft? Was wenn du plötzlich zwischen deinen Kindern im Sand sitzt und ein Buch liest? Was wäre wenn du in der Abendsonne knietief im Wasser stehend dein Baby stillst während du die anderen beim genüsslichen Platschen beaufsichtigt und einen Moment dankbar das Gesicht Richtung Sonne hält und die Augen schließt und einen tiefen Atemzug Meerluft atmest? (Nicht zu lange die Augen schließen – achte auf deine Kinder ;-)) Was wäre wenn ihr nach dem Baden ausgeglichen auf euren Handtüchern liegt und sich plötzlich wertvolle, tiefe Gespräche entwickeln. Was wenn die vollwertigen Pizzaschnecken den hungrig gepantschten Kindern plötzlich am Strand gar nicht mehr so vollwertig schmecken?

Also, was wäre, wenn es richtig gut wird? Was, wenn es sich lohnt?

Es gibt auch die Möglichkeit, dass es richtig gut wird! Und du könntest sie verpassen, wenn du nur daran denkst, was alles schief gehen könnte. Hier also zur Ermutigung ein paar kleine Stellschrauben, die mir persönlich helfen, schöne Ausflüge allein mit meinen Kindern zu machen.

Gute Vorbereitung

Ich gebe mir tatsächlich große Mühe beim Packen und versuche möglichst wenig zu vergessen. Ich mache das am Liebsten mit klarem Kopf abends vorher wenn die Kinder schlafen. So gibts morgens weniger Stress und man ist nicht schon voneinander genervt, bevor es überhaupt los geht. 

Die Situation besprechen

„Heute bin ich allein mit euch und ihr wisst, ich bin kein Oktopus und kann nur eine Sache zur Zeit.“ Und dann frage ich, je nach Alter der Kinder, ob sie Ideen haben wie das gut klappen kann mit uns und erzähle von meinen Erwartungen z.B. jeder trägt etwas zum Strand, gebadet wird nur wenn ich dabei bin und das ist vielleicht nicht so oft wie sonst möglich usw.

„Lass die Leute reden …“

„… und hör einfach nicht hin. Die meisten Leute haben ja nichts böses im Sinn.“ (Die Ärzte) Singe ich oft innerlich, wenn ich sehe, wie Menschen neben uns einander zuraunen, wenn sie meine vielen Kinder sehen. Gestern hielt mir ein Mann eine Standpauke, dass mein Kind nicht in die Dünen pinkeln darf. Hat er ja recht, lies sich aber nicht verhindern. Ich sagte ihm: „Ich habe da vier Kinder, um die ich mich hier kümmere. Machen sie das mal nach.“ Dann ging er schimpfend. Einfach abschütteln. Das habe ich jetzt sieben Jahre geübt und es klappt immer besser.

Einfache Lösungen, sind auch Lösungen

Ich fahre an solchen Tagen den pädagogischen Anspruch an mich runter. Wenn sich im Auto Streit entwickelt gibts Bonbons. Und wenn sich die Kinder nicht einigen können, wer welche Tasche trägt, trage ich halt mal beide. Empathie hoch, Konsequenzen runter. Dafür gibts andere Tage.

Routinen Aus, Freiheit An

Diesen Punkt habe ich erst ab dem dritten Kind umsetzten können. Mir waren die Routinen meiner Kinder so wichtig und ich wusste auch, dass es ihnen dadurch grundsätzlich gut geht. Aber zwanghaft eingehaltene Routinen töten Lebensfreude. An solchen Tagen entwickelt sich ein Flow. Alles ist für alle anders – und das ist manchmal schön! Und man wundert sich wir wunderbar unroutiniert glücklich Babies und Kleinkinder mit der Nase im Sand sein können.

Schlafanzug Einpacken

Einer der größten Preise, die Mutterschaft mich persönlich aktuell kostet, ist, dass ich den Sonnenuntergang verpasse. Immer. Während der schönen Abendstimmung im Sommer, geht bei uns zu Hause die Post ab. Anstatt gemütlich mit Wein in der Hängematte hänge ich zwischen Zahnbürsten, „Ich muss nur noch“-mals und Geschirrspüler. Oft packe ich bei Tagesausflügen deshalb die Schlafanzüge ein und bleibe bis zum Sonnenuntergang. Ich setzte dann alle bettfertig ins Auto und trage sie zu Hause ins Bett. Die letzten Stunden am Abend, genießen wir alle total. Die Kinder wissen, dass sie ein Privileg sind und verspielen sich nochmal richtig. Und ich umgehe, dass alle um 16:00 Uhr müde auf der Rückbank einschlafen und ich um 23:00 Uhr immer noch Gesellschaft im Wohnzimmer habe.

Dran Glauben

Doch tatsächlich ist glaube ich die wichtigste Stellschraube in dem ganzen System mein Mindset. Das hat sich erst entwickelt und war auch nicht immer so. Und es macht den entscheidenen Unterschied. Ich glaube mittlerweile, dass meine Kinder das können. Auch sie können sich für einen Tag – je nach Alter – etwas zurück nehmen und besser aufeinander achten als sonst. Ich glaube, ich kann stressige Situationen meistern. Es gibt sie und sie gehen vorbei. Und es bricht mir keinen Zacken aus der Krone, frühzeitig die Sachen zu packen, weil es heute einfach nicht klappt. Ich glaube, dass es schön wird. Ich freue mich darauf und diese Freude überträgt sich. Ich erwarte mehr „Wow, das sind aber tolle Kinder“ als „Oh nein, sind die laut.“ Von meinem Umfeld – und was soll ich sagen: Ich erleben es auch mehr! Ich denke anstatt „Wie schade, dass ich allein mit ihnen bin.“, „Wie schön, dass ich das heute erleben darf! So tolle kleine Menschen!“ Und ich glaube meine Erwartungen bestimmen einen viel größere Teil, als mir lange bewusst war.

Es gibt auch die Möglichkeit, dass es richtig gut wird! Und du könntest sie verpassen, wenn du nur daran denkst, was alles schief gehen könnte.

In diesem Beitrag findet ihr ein paar Schnappschüsse von meinen liebsten Tagesausflügen in diesem Jahr. Es ging nach St. Peter Böhl, Kalifornien in Schönberg an der Ostsee, Fahrradtour mit Erdbeeren pflücken, die Lüneburger Heide und in den Wildpark Eekholt. Hier und hier habe ich mal günstige Ausflugsziele in Hamburg mit euch geteilt.

Vielen Dank fürs Lesen und Teilen meiner Beiträge. Auf Grund der Partnerschaft mit Ringana – und ab und zu anderen Kooperationen – kann ich euch meine Texte kostenlos zur Verfügung stellen und verdiene Geld mit der Werbung für diese Produkte. Wenn du mich unterstützen möchtest, probier sie doch einmal aus. Dann haben wir beide gewonnen.

P.s: Ich bekomme immer mal wieder Nachrichten mit Hinweisen zu Rechtschreibkorrekturen. Ich sags euch wie es ist: Wenn ich meine Texte hier mehr als einmal Korrektur lese bevor ich sie veröffentliche, bleiben sie lange liegen und mir vergeht die Freude. Ich weiß darum und ich hab da keine Zeit für 😉 „Better done than perfect“ ist mein Motto dabei und du darfst gern jeden Fehler den du entdeckst als Erinnerung nehmen, dass auch du gut genug bist. :-*

4 Antworten auf „Wunder oder Wahnsinn: Wie ich Ausflüge allein mit meinen Kindern mache

  1. So viele tolle Gedanken. Aber besonders das mit dem Schlafanzug einpacken muss ich mir merken. Den mir geht es auch oft so, dass ich den schönen Sonnenuntergängen hinter trauere. Dabei gibt’s dafür ne Lösung. Danke für die Idee

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