Dieser Artikel ist ursprünglich hier bei A Bullerbü Life veröffentlich worden. Von Ida werdet ihr hier bald auch etwas wunderbares lesen und bis dahin guckt doch gerne mal auf ihrem Blog vorbei. Ich finde sie schreibt ganz tolle, ermutigende, praktische Texte für den Alltag mit Kindern!

 

Wenn alles was einen Christen ausmacht ist, ob er in die Kirche geht oder nicht, bin ich spätestens seitdem ich zwei Kinder habe kein Christ mehr. Ich weiß nicht wann ich das letzte Mal ungestört in einem Gottesdienst saß. Vielleicht vor zwei Jahren? Denn selbst wenn ich es schaffe, meine zwei Kleinen Sonntags rechtzeitig in das Kirchengebäude zu befördern, bedeutet das längst nicht, dass ich friedlich im Gottesdienst sitze. Ich sitze stattdessen auf dem Boden zwischen Spielzeug und Kleinkindern zusammen mit anderen Eltern und deren Kindern in den Kinderräumen. Und ich finde das gar nicht schlimm.

Denn Christ bin ich ja, weil Jesus mein Herz verändert hat. Ich bin von innen nach außen Christ und nicht von außen nach innen. Keine Umstände oder Gebäude (nichtmal das einer Kirche) können etwas daran ändern. Also, was sich in meinem Glaubensleben geändert hat seitdem ich Mutter bin? Gar nichts. Im Prinzip. Und alles irgendwie. Ganz tief in mir.

Ich weiß noch wie mir Tränen übers Gesicht rollten, als ich das erste Mal für meinen Sohn Liam „Weißt du wie viel Sternlein stehen“ sang. Ich setzte mich nichtsahnend abends mit ihm in den Schaukelstuhl und dachte „Hm.. vielleicht könnte ich ihm mal ein Schlaflied vorsingen. Welches kenne ich denn noch?“ Und das war das erste was mir einfiel:

 

„ Weißt du, wieviel Sternlein stehen

an dem blauhauhen Himmelszelt?

Weißt du, wieviel Wolken gehehen

weithin über alle Welt?

Gott, der Herr, hat sie gezählet,

dass ihm auch nicht eines fehelet

an der ganzen großen Zaaahl. …“

 

Als ich bei „… kennt auch dich und hat dich liiiehihib“ angekommen war, ist es plötzlich um mich geschehen. Leise liefen mir gerührte Freudentränen übers Gesicht. „Er hat uns lieb!“ Ich verstand plötzlich, wie zum ersten Mal, wie sehr wir geliebt sind. Da saß ich mit meinem Baby im Arm und hatte durch meinen Sohn eine Liebe kennen gelernt, die ich vorher nicht einmal erahnen konnte! Und dann sang ich von einem Gott, der stärker und tiefer liebt als Menschen es sich vorstellen können. Und irgendwie rührte mich das so sehr. Ja, ich weiß wie viele Sternlein stehen und auch wie viele Kindlein ins Bettchen gehen. Wie viele Mücken fliegen und Wolken ziehen und Vögel singen… und Gott kennt sie alle und „kennt auch dich“. Und mich. Er kennt uns, hier im Schaukelstuhl im dunklen Zimmer. Hier uns zwei Menschen – mein Baby und mich. Und er liebt uns noch mehr, als ich mein Baby lieben kann! Das lässt mir Tränen über die Wangen laufen.

Seitdem ich Mama bin, merke ich immer wieder neu, wie sehr ich geliebt bin. Man sagt, Gott liebt wie ein Papa oder eine Mama und das verstehe ich jetzt ganz neu. Oder vielleicht zum erstem Mal wirklich.

Seitdem ich Mama bin, ist eine Liebe in mir gewachsen, die bereit ist alles zu geben und noch viel mehr. Ich bin bereit mich selbst aufzugeben, Opfer zu bringen, zu dienen und zu helfen. Ohne etwas zurück zu erwarten, ohne dafür bezahlt zu werden. Einfach aus Liebe. Das ist die Liebe über die wir in unseren Kirchen reden. Und diese Liebe ist durchs Mama-Sein für mich greifbar geworden. Ich rede nicht nur in der Kirche darüber, ich erlebe sie täglich. In meiner Küche, in meinem Wohnzimmer, auf dem Spielteppich und abends im dunkeln Zimmer – ich gebe diese Liebe.

 

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Und dann sehe ich diese Liebe in den dunklen Momenten. Wenn ich auf den Tisch haue und mein Kind vor lauter Wut über den ausgekippten Becher anschreie. Wenn ich mich immer wieder und wieder „Gleich Liam, gleich“ sagen höre – während ich auf meinem iPhone surfe. Wenn ich nur noch ein übermüdetes, lautes „Jetzt ist aber Schluss“ für mein nich einschlafen könnendes Kind über habe. Wenn ich meinen Mann mit den Worten „Übernimm du! Dieses schreiende Kind macht mich wahnsinnig!“ wecke und den Raum verlasse um mit der Wut auf mein Baby klarzukommen. Dann fühle ich mich weit weg von der Liebe. Ich sehe all das nicht liebeswerte in mir. Eine fehlerhafte Mutter. Ohne endlose Liebe.

Und dann höre ich es wieder. Ganz leise in meinem Herzen „… kennt auch dich“ Oh ja, er kennt mich. Hier in meinem Versagen. All meine Fehler, all meine Grenzen, meine Wut, meine Angst. „…und hat dich liiieb!“ Und er liebt mich trotzdem. In meinen Höhen und in meinen Tiefen.

Mama-Sein hat mir eine neue Form der Liebe gezeigt. Ich kann jetzt auf eine tiefe Weise lieben, wie ich es mir vorher nicht vorstellen konnte. Aber als Mama komme ich auch an Grenzen, die ich vorher nicht kannte. Meine Kinder konfrontieren mich häufig mit meinem Versagen. Sie holen das Beste und das Schlechteste aus mir hervor, denke ich manchmal. Und in all dem habe ich als Mama eine neue Form der Liebe kenngelernt. „Er kennt mich und er hat mich lieb!“.

 

2 replies on “Wie Mama-Sein mein Christ-Sein verändert hat.

  1. Danke 🙂 Mir liefen beim Lesen eine Träne nach der anderen über die Wange, weil ich mich so wiedererkennen konnte. Ich hab als Mama das erste Mal verstanden, dass Gott uns auch lieben kann, wenn wir nichts an Vorleistung mitbringen, und hab so geweint. Und dass er uns trotz unserer Fehler lieben kann. Liebe Grüße

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