Weihnachten ist längst vorbei, aber irgendwie musste ich diese Jahr bei diesem Weihnachtslied schmunzeln: „Stille Nacht, heilige Nacht…“. Ich dachte dabei darüber nach wie ich früher an eine langweilige Nacht dachte, wenn sie einfach nur „still“ war. Und wie ich heute finde, dass stille Nächte wirklich heilig sind. Mit zwei kleinen Kindern sind sie nämlich rar gesät und wenn ich abends ins Bett gehe wünsche ich mir nicht mehr nur an Weihnachten stille, heilige Nächte! (Irgendwelche Mamis da draußen die mich verstehen? ;-))

Über die letzten zwei Jahre habe ich mich allerdings auch ganz gut an ein bisschen grundsätzlichen Schlafmangel gewöhnt und kann ganz gut damit leben, zwei bis drei Mal die Nacht aufzustehen ohne mich morgens total übermüdet zu fühlen. Außerdem kann ich mich über unsere Kinder eigentlich nicht beklagen. Sie schlafen vergleichsweise gut und lange und ich bin einfach nur dankbar dafür (und bilde mir nicht ein, dass das mein oder unser Verdienst ist. Das ist unverdiente Gnade.)! Ich finde es auch echt nicht einfach darüber zu schreiben, denn ich weiß, das Thema „Schlafen“ ist teilweise eins der größten Frust-Themen von jungen Eltern und man kann die Ratschläge nicht mehr hören, wird neidisch wenn es bei anderen besser klappt als beim eigenen Kind und merkt auch, dass sich nicht alles ein zu eins übertragen lässt. Trotzdem schreibe ich jetzt einfach mal was ich damit für Erfahrungen mache und hoffe, dass dieser Text ermutigt, stärkt und neue Ideen schenkt. Es sind ja schließlich nicht allgemein gültige Gesetze die ich beschreibe, sondern nur meine eigenen Ideen und Erfahrungen.

 

 

Gerade höre ich noch das letzte Grummeln aus dem Kinderzimmer, in dem die beiden seit kurzem nun zusammen einschlafen. Und muss sagen, ich liebe unsere Einschlafrituale und habe den Eindruck dass sie den Kindern echt gut tun. Ich weiß, jeder hat dazu eine andere Meinung, jedes Kind ist anders und nicht jeder soll es so machen wie wir. Aber vielleicht findet ja die eine oder andere etwas Inspirierendes für sich dabei.

Wir haben Liam von Anfang an immer gegen 19:00 Uhr ins Bett gebracht und Nova macht jetzt einfach mit. Ich brauche diesen Mama-Feierabend auf den ich mich verlassen kann und ich glaube die Kinder schlafen schneller wenn es immer zur gleichen Uhrzeit passiert.

 

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Wir räumen zusammen auf. Liam rennt eigentlich grundsätzlich schreiend weg wenn wir damit anfangen. Er ist dann gerade richtig drin und kurz davor nochmal aufzudrehen. Aber der Protest ist von kurzer Dauer. Also aufräumen, Zähne putzen, Licht dunkel, Gardinen zu, Nova umziehen (und kitzeln – sie hat das niedlichste glucksende Lachen!), Nova ins Bett, Liam umziehen Liam ins Bett, …

Und hier kommt der erste schöne Teil: Ich glaube unsere Kinder müssen so oft es geht sehen und hören, dass wir sie lieben. Manchmal läuft das im Alltag richtig gut, aber so oft gelingt mir das leider tagsüber nicht. Es gibt viele Gründe zum streiten, meckern und so viel ablenkende Beschäftigungen. Und gerade dann wenn das Leben und die Phasen der Kinder so anstrengend ist, brauchen sie unsere Liebe doch am meisten, oder? Ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich nehme das Gefühl vor den Schlafen gehen immer mit in die Traumlandschaft. Und wenn das bei meinen Kindern auch so ist, dann will ich dass sie sich geliebt fühlen wenn sie ins Traumland wandern. Ich kann nicht den ganzen tag Mutti-Perfect sein, aber ich kann ihnen einmal am Tag sagen wie sehr ich sie liebe. Also flüstere ich jedem immer wieder die gleichen Worte ins Ohr (und häufig fallen ihnen dabei schon die Augen zu):

 

Hey, weiß du wann ich dich lieb habe?

Ich habe dich immer lieb!

Ich habe dich lieb wenn du wach bist und wenn du schläfst,

wenn du weinst und wenn du lachst,

wenn du laut bist und wenn du leise bist.

Ich habe dich lieb wenn wir lachen und wenn wir streiten,

wenn du alles richtig machst und wenn du versagst.

Ich habe dich lieb wenn es Sommer und wenn es Winter ist,

wenn es regnet und wenn die Sonne scheint,

wenn es hell ist und wenn es dunkel ist.

Ich habe dich lieb wenn ich da bin und wenn ich weg bin.

Ich habe dich immer lieb.

 

Dann geht es weiter: … Nova wieder raus aus ihrem Bett zum stillen. Ich setzte mich in den Sessel und je nach Tagesform kann Liam sich mehr oder weniger gut damit abfinden, dass er nun gerade warten muss. Wenn alles ruhig ist (es gibt nämlich auch Tage da läuft es bis hierhin unter pausenlosen Geschrei im Kanon) und ich zu Wort komme, erzähle ich nun was wir den ganzen Tag gemacht haben.

Ich beginne so: „Heute Morgen sind wir aufgestanden …“ und ende mit: „… dann haben wir aufgeräumt, Zähne geputzt, Schlafsachen angezogen und jetzt liegen alle im Bett und jetzt ist Zeit zum schlafen“.

Dabei merke ich, wie Liam runterfährt und irgendwie mit seinem Tag Frieden schließt- und ich selbst auch. Dann stille ich zu Ende und Liam steht im Bett und fordert „Grei, Grei!“ (heißt Rücken streicheln).

Und dann kommt der letzte Teil: Während ich Nova zu Ende stille und dann Liams Rücken streichel* bete ich für beide. Ich glaube nicht dass es dabei eine Zauberformel oder so gibt, grundsätzlich rede ich einfach in Kinder-verständlicher-Sprache mit Gott. Aber ich habe eine Sache gefunden, die für meine Kinder ein großer Schlüssel zum guten Einschlafen ist: Ich bete für Frieden. Im Studium habe ich gelernt dass das griechische Wort für Frieden „Eirene“ ist und unter anderem mit „geordnete Zustände“ übersetzt wird. Und das wüsche ich meinen Kindern so sehr wenn sie schlafen! Frieden und geordnete Zustände. Oft sind sie echt angespannt vom Tag und wühlen durchs Bett und kommen nicht richtig runter – einfach so innerlich unruhig. Und so oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich wenn ich für Frieden bete, ihre kleinen Körper unter meiner Hand einmal tief ein und ausatmen und sich entspannen. Es klingt wie ein kleines Wunder, oder? Vielleicht ist es ja eins, wer weiß das schon. Also, sage ich etwas wie:

 

Danke, Jesus, für diesen Tag, dass Liam und Nova so toll spielen konnten. Danke, dass Liam schon so toll … kann und Nova … Ich danke dir, dass du Liam und Nova sooo lieb hast und dass du bei ihnen bist auch wenn ich aus dem Zimmer gehen. Ich bete, dass du ihnen Frieden schenkst in ihren Gedanken, in ihrem Körper und in ihren kleinen Seelen und, dass sie ruhig schlafen können.

 

Dann sage ich beiden gute Nacht und gehe aus dem Zimmer (auch wenn sie noch nicht schlafen). Manchmal schlafen sie direkt ein, manchmal gehen ich oder mein Mann noch gefühlte 30 Mal ins Zimmer und suchen den Schnulli, streichen übers Haar und was man halt so macht… Und irgendwann ist dann alles ruhig. Dann hoffe ich nur noch auf stille und heilige Nächte und genieße meinen Feierabend bis das Baby sich gegen 23:00 Uhr wieder meldet und für die restliche Nacht zu Mama und Papa ins Zimmer zieht. Und morgens schlüpft der große Bruder als erstes zum Schwesterchen ins Bett – da schmilzt mein Mutterherz dann sowieso dahin, egal wie still oder unruhig die Nacht war.

 

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So läuft das gerade bei uns. Hin und wieder verändern wir etwas, passen uns den Umständen, unseren Wünschen und den Kindern an, sodass wir nicht ein System entwickeln dass uns gefangen nimmt, sondern Rituale die uns als Familie dienen. Die Rituale sind allerdings auch bei meinem Mann und mir ein wenig unterschiedlich und  sind nicht in Stein gemeißelt. Aber eine grundsätzliche Struktur hilft uns auch immer wieder mal flexibel sein zu können.

Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen und seid bei den ganzen schlafenden Babyfotos nicht selbst eingenickt 😉 Es würde mich sehr interessieren wie das bei euch so läuft und was ihr über meine Gedanken denkt. Ich wünsche euch auf jeden Fall das ganze Jahr über: „Stille Nacht, heilige Nacht!“ Schlaft gut.

 

 

*Um nochmal zu betonen, dass wirklich jedes Kind anders ist: Liam ist viel länger auf unserem Arm eingeschlafen. Nova hat das nie gemacht. Sie braucht allgemein nicht so viel Körperkontakt, deshalb schläft sie allein im Bett ein, während Liam einfach Kontakt braucht und es so sehr liebt wenn man ihn streichelt.

5 replies on “„Stille Nacht, heilige Nacht!“ – wie wir schlafen gehen

  1. Hallo Sarah
    Ich habe gestern deinen schönen Blog über ‚a bullerbü life‘ entdeckt.
    Deine Gedanken zum Einschlafen gefallen mir sehr. Ich handhabe es ähnlich bei meinem Älteren (fast 4 Jahre alt), mit Tag abschliessen, danke sagen für das Schöne vom Tag, beten für eine gute Nacht und Gute-Nacht-Lieder-Singen. Und ihm sagen wie lieb ich ihn habe. Deine Texte nehme ich mir gerne als Inspiration um mein Ritual noch zu verfeinern. Vielen Dank für’s teilen einer so ‚intimen‘
    Familienangelegenheit.

    Liebe Grüsse

    Corinne

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  2. Hey, habe über deinen Artikel in der family (mit dem ich mich so identifizieren konnte!) deinen Blog entdeckt. Erst einmal Danke, dass du deine Gedanken laut machst! Du bist eine inspirierende Frau, Mutter und Christin.

    Der Beitrag hier ist schon etwas älter, aber vielleicht kannst du ja mal etwas dazu schreiben, wie du Liam damals von “auf-dem-arm-einschlafen“ und aus dem Familienbett zu der beschriebenen Situation bekommen hast…

    Meine Tochter ist jetzt zehn Monate alt und wir sind gerade dabei, sie an ihr eigenes Bett heran zu führen… Einschlafen tut sie auf dem Arm…

    Lg
    Irene

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    1. Hi Irene, cool! Schön dass du hergefunden hast! Ich empfinde mich gar nicht als Expertin in Sachen Kindererziehung 🙈 ich denke bei uns war es ein langes ausprobieren, umdisponieren und kreativ gucken was uns und den Kindern passt 😊 bis heute ist das so. Gerade schlafen wir alle in einem Bett 😅😍

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