Gedanken einer vierfach Mama 1/4

Eigentlich hatte ich gar nicht vor, wieder in die Themen Schwangerschaft, Geburt, Mama-Identität und Erziehung einzutauchen. Ich habe dieses Mal keine Hebamme, lese keine Bücher, weiß nicht immer welcher Frucht die Größe meines Babies entspricht. Ich bin ruhig, weiß was auf mich zukommt und genauso auch, dass ich so wenig in meiner Hand habe und immer alles anders kommen kann. Letztens gratulierte mir eine Mama von sechs erwachsenen Kindern, mit denen ich aufgewachsen war, zu meiner Schwangerschaft. Und ich merkte, eine besondere Verbundenheit. Ich war innerlich so bereit, ihre Worte zu hören. Sie wogen so viel für mich. Und so ging es mir tatsächlich auch am Anfang meiner ersten Schwangerschaft. Mein Herz lehnte sich automatisch an die mit mehreren Kindern. An die mit weniger starken Meinungen und mit viel Erfahrung. Und jetzt bin ich das vielleicht für einige andere. Deshalb habe ich mal vier Fragen, beantwortet. Heute kommt die erste: „Wie werde ich eine entspannte Mutter?“

Letztes Jahr wurde ich von jemandem, der sich offensichtlich damit auseinander setzte selbst in nächster Zeit Vater zu werden, gefragt ob es möglich wäre die Gelassenheit, die man beim dritten Kind hat schon beim ersten Kind an den Tag zu legen. Und ich fand die Frage gut und habe mich in ihr total wiedergefunden. Ich denke, ich habe als junge Mutter irgendwie den Anspruch an mich selbst gehabt, schon erfahren, zufrieden, klar und meiner Sache sicher zu sein. Das war ich aber eigentlich gar nicht. Wie denn auch? Das liegt in der Natur der Sache, wenn man das erste Mal schwanegr ist. Da wird nicht nur ein Kind geboren. Da wird auch eine Frau zur Mutter. Und tatsächlich war diese Geburt – meine eigene – die schwierigste und längste von allen. Mit dem ersten Kind wird man erst zur Mutter und jedes Erlebnis ist das erste. Man kann das vorher nicht lesen, lernen oder „so tun als ob“. Der Anspruch dabei entspannt zu sein ist meiner Meinung nach ein viel zu hoher. Und wird maximal so gut funktionieren, wie es in allen anderen Lebensbereichen zuvor geklappt hat, sich in starken Veränderungen zu entspannen. manche können das von Natur aus, antrainiert oder aus Glauben und Vertrauen besser als andere. Das hat aber erstmal nichts mit Mutterschaft an sich zu tun. Mutter zu werden, war für mich keine „entspannte Sache“, dafür war es mir zu wichtig.

Und eigentlich ist es das bis heute nicht. Denn ich weiß – vielleicht heute noch besser als vor sechs Jahren –, dass wir hier nach wie vor vieles nicht richtig machen. Dass es Dinge gibt, für die ich mich immer wieder bei meinen Kindern entschuldige und es vermutlich noch mehr Dinge geben wird, für die ich mich entschuldigen möchte wenn sie erwachsen sind. Ich weiß, dass das Leben mit mir als Mutter unsere Kinder etwas kostet. Dass viele Entscheidungen hier Kompromisse zwischen ganz vielen Bedürfnissen sind und, dass wir für unsere noch jungen Kinder zwar die ultimative Wahrheit und Sicherheit verkörpern, und dennoch immer wieder selbst fragen wohin der nächste Schritt geht und ob wir genug von dem Verhalten, das wir uns wünschen umsetzten. Da geht es um die ganz großen Fragen, aber auch um die alltäglichen Dinge: So oft räume ich die Zimmer der Kinder auf – weil ich es ordentlich mag. Ich höre dabei von meinen inneren Kritikern: „So werden sie das alleine nicht lernen.“ und „Lass sie doch so wohnen wie sie wollen“ und „Warum nimmst du dir nicht endlich die Zeit es öfter mit ihnen zusammen zu machen?“ … so vieles was besser wäre. Und doch ist es so ok. 

(Foto von Anna Frey)

Was ich sagen will: Wir zweifeln, wir sind uns unserer Sache mit der „Erziehung“ und Aufzucht dieser kleinen Menschen nicht unbedingt sicherer als vor sechs Jahren. Das merke ich besonders und er Schwangerschaft daran, dass mein Herz jedes Mal bis zum Hals pocht, wenn ich einen Termin bei der Frauenärztin habe. Jedes Mal steigt schon die Tage vorher die Anspannung. „Hoffentlich ist alles gut“ wünsche ich mir immer wieder. Wissend, dass „alles gut“ alles andere als selbstverständlich ist. Was sich vielleicht seit der ersten Schwangerschaft verändert hat ist, dass ich mich für diese Gedanken nicht schäme. Dass ich mich nicht als „unentspannte Schwangere“ dafür abstempel.

Ich sehe diese Sorgen heute nicht mehr als Mangel an Entspannung oder Vorstufe zur Helikopter-Mama, sondern als Ausdruck meiner Liebe. Sie sind so normal wie die Freudentränen nach der Geburt. Und vielleicht ist das die tatsächliche Entspanntheit, dass ich mich mit meiner Verletzlichkeit, Fehlbarkeit, Unsicherheit und angefreundet habe. Es sind die Bausteine aus denen authentische Mutterschaft gemacht sind. Zumindest meine. 

Eine Antwort auf „„Wie werde ich eine entspannte Mutter?“

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