Heute ist der Samstag zwischen Karfreitag und Ostern. Dieser Tag hat so eine starke Botschaft, finde ich! Es war immer mein liebster Abend im Jugendgottesdienst, als ich dort noch Jugendleiterin war. Ich habe jeden Jahr freiwillig gepredigt, weil mir das Thema einfach so wichtig war: Leben zwischen den Zeiten. Denn ich finde wir leben viel mehr zwischen den Zeiten, als in den tatsächlich so krassen Momenten, die unser Leben in davor und danach einteilen. Der größte Teil des Lebens findet dazwischen statt.

Wenn wir die Ostergeschichte mal aus den Augen der Zeitzeugen sehen und nicht aus unseren, die wir den Ausgang der Geschichte kennen, war dieser Samstag ein krasser Tag. Für die Menschen, die mit Jesus unterwegs waren, war er nicht nur der Grund aus dem sie sich einmal die Woche in einen Gottesdienst bewegten. Er war ihr Freund, ihr Leiter, ihr Mentor und ihr Vorbild. Für einige war er „der Messias“, der auf den ihre Großeltern und Urgroßeltern gewartet haben. Den, nach dem die Welt sich sehnt, der der ihren Seelen Frieden gab und ihrem Leben einen neuen Sinn. Und er war für sie auch eine politische Figur, denn viele erwarteten, dass sein Königreich tatsächlich eine menschliche Herrschaft auf der Erde bedeutete. Sie erwarteten, dass er ganz praktisch regieren würde. Und an ihren Diskussionen darüber, wer welche Position an seiner Seite einnehmen würde, bedeutete er für sie auch eine berufliche Perspektive.

Und das war jetzt alles tot. Jesus war tot und damit ihre Pläne und Ideen über die Zukunft. Aber da waren auch all die Versprechen, sie hatten ihn auch etwas von „drei Tagen“ sagen hören. All die Prophetien, den sie so sehr vertrauten und die Realität passte nicht mit dem was sie glaubten zusammen. 

Wie leer muss es in ihnen gewesen sein, als sie Samstagfrüh aufwachten? Ist Jakobus wohl zu seiner Frau gegangen um ihr zu erklären, dass das mit Jesus jetzt anders ausgegangen ist als gedacht und hat sich für all die Male entschuldigt, die er mit Jesus unterwegs war und sie mit den Kindern zu Hause gelassen hat? Was hat Petrus wohl gedacht? Er hatte zu allem Übel auch noch seinen Stolz verloren, als er sagte er kenne Jesus nicht. Ihm half es in der Unsicherheit Pläne zu machen, und er entschloss wieder Fischer zu werden. Maria wollte nicht allein sein und traf sich mit einer Freundin um über ihre Fassungslosigkeit zu sprechen. Sie hingen zwischen Vergangenheit und Zukunft irgendwo in Schockstarre.

Und das kommt mir doch bekannt vor. Da hänge ich auch. Ich sitze in so einer Leere, die diese Unsicherheit mit sich bringt und frage mich ob ich jetzt warten, neue Pläne machen soll oder abwarten? Soll ich jetzt trauern oder die Zeit nutzen? Das Beste daraus machen und mich mit der Realität abfinden und gleichzeitig an der Hoffnung festhalten?

Wir leben im „noch nicht“. Wir wissen noch nicht wie es weiter geht … das mit Jesus schon, aber hier jetzt gerade mit der Welt und Corona und unserem eigenen kleinen Leben in dieser ganzen großen Krise – das ist ungewiss.

Und ich habe mir für diese Ungewissheit ein paar Wahrheiten rausgeschrieben, die ich mir vor Augen halte, wenn mich die Unsicherheit und der Nebel in dem meine Zukunft verschwinden will, vereinnahmen wollen. Ich weiß nicht viel, aber einiges weiß ich. Und vielleicht weiß ich damit schon genug. Und zu jedem Gedanken verlinke ich euch ein Lied, das mich im Moment bewegt und ermutigt.

Für einige von euch, die sich selbst nicht so als Christen definieren würden wie ich, ist das hier vielleicht ganz schön viel Bibel. Aber außergewöhnliche Zeiten fordern manchmal außergewöhnliche Worte. Und außerdem glaube ich, dass Gott nicht nur Christen liebt, sondern jeden Menschen und, dass er nicht nur zu Christen spricht, sondern zu jedem. Also, wer weiß, vielleicht spricht das hier ja auch zu dir und vielleicht erstellst du dir gleich eine neue Playlist mit dieser Musik, die deine Seele irgendwie atmen lässt. 

 

Corona ist keine Strafe

Mir war es ein Anliegen, diesen Gedanken deutlich mit euch zu teilen. Immer wieder bekomme ich Nachrichten von Menschen die sagen, dass Gott die Welt jetzt bestraft – und ich möchte uns daran erinnern, dass das nicht dem entspricht, was Gott über sich sagt.

Gott hat mit dem Regenbogen am Himmel versprochen: Niemals wieder! Leid ist kein Gericht Gottes, sondern eine natürliche Folge des Lebens auf der Erde. Wenn Gottes geliebten Kindern etwas Schlimmes zustößt, ist das nicht das Zeichen für deine Abwesenheit, sondern eine Einladung sich noch mehr in seine Arme zu werfen.

Ich habe darüber auch im ERF Interview kurz gesprochen.

 

Gott ist keine Versicherung

Gott hat seine Geliebten nicht immer von Schwierigkeiten gern gehalten. Die Geschichten von Josef, Daniel, Sara, Mose, Jesus, Petrus, Maria, Paulus sind voller Drama, Höhen und Tiefen, voller Lachen und Weinen, aber 

  • er hat sich in der Krise zu ihnen gestellt, sogar mitten ins Feuer hinein (kannst du lesen in Daniel 3)

Musik dazu: Another one in the fire, Hillsong United

  • er hat ihnen ihren Herzenswunsch erfüllt – es hat nur manchmal viel länger gedauert als erwartet. Ich denke an die Geschichte von Sara‘s Sohn Isaak, den sie viel später und sehr unerwartet bekam.

Lied dazu: Waiting here for you

  • er hat sie nicht vor Verfolgern und Angst bewahrt, aber ihnen den Weg frei gemacht ihnen zu entkommen, zum Beispiel als er Mose und das ganze Volk Israel durch das geteilte Meer führte – in letzter Minute.

Passendes Lied: Waymaker

 

Das ist nicht unser Ende

Corona ist eine Krise, kein Spaziergang. Es wirft unser Normal über den Haufen und erschüttert die Welt – wie sehr werden wir erst in einigen Monaten wissen. Aber Corona ist nicht das Ende. Es wird Tage nach dieser Krise geben. Wir werden wieder ein Normal finden. Und es wird neue, andere Krisen geben – und der, der stärker als der Tod ist, ist noch nicht am Ende. Am Ende wird alles gut sein, denn

  • Gott hat den Menschen, als sie dachten alles wäre zu Ende, gezeigt, dass er noch lange nicht am Ende ist. Als Maria die Leiche ihres Sohnes einölen wollte, traf sie ihn aufrecht gehend.

Lied: Man of Sorrow

  • Er hat ihnen sogar im (unverdienten) Tod eine Hoffnung und Liebe geschenkt, die sie nicht einmal den Tod fürchten lässt. Ich denke an Märtyrer, Paulus und Petrus, die mit Blick in den Himmel und voller Frieden starben. 

Lied: It is well with my soul & Von guten Mächten wunderbar geborgen (Tipp:  mal die Geschichten hinter den Songs googlen – wahnsinnig bewegend!)

  • Er hat uns gezeigt, dass er selbst Leid kennt und bereit ist mit uns und für uns zu leiden. Als Jesus starb zeigte er sich verletzlich, als einer von uns. Keine anderer Gott macht das – all die Götter der Weltreligionen wollen erhaben sein. Aber Jesus ist real, nah und er weint. Er versteht uns, wenn wir weinen.

Lied: Graves into Gardens

Ich glaube es sind Zeiten wie diese, in denen die Dinge ans Licht treten, die tief in uns schlummern. Bei manchen sind das vielleicht Ängste, Zweifel oder auch so unbewusste Glaubengrundsätze, die sich jetzt ihren Weg an die Oberfläche bahnen. Es sind Zeiten wie diese in denen sich unser Charakter zeigt und formt. Jetzt ist die Zeit uns zu entscheiden, was wir glauben wollen und wie wir leben wollen. Wer wir sind, wenn wir weniger haben, was und beschäftigt und definiert.

Ich wünsche Dir, dass diese Zeit dir zum Segen wird und, dass die Leere und Unsicherheit sich mit Hoffnung und Wahrheit füllt und du stärker aus dieser Zeit heraus gehst, als du hinein gegangen bist.

 

Fotocredit: Die Fotos habe ich zusammen mit Lisa von www.ichsowirso.de gemacht. Vielen Dank, es war schön mit Dir!

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5 Antworten auf „Zwischen Corona und Gott

  1. Danke für deine Worte, sie tun mir gut und helfen auch auch mir, meine Gedanken zu sortieren und tiefer dem Glauben und Vertrauen zu folgen.
    Die Geschichte hinter dem Lied „Von guten Mächten „ von Dietrich Bonhoeffer ist sehr ergreifend.
    Liebe Grüße Grit

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  2. Das stimmt: Corona ist keine Strafe. Gott straft nicht, auch nicht der jüdische Gott, der ja auch der Gott Jesu und der Christen ist. Gott spricht, Gott lässt vielleicht manchmal die Natur sprechen, die unter dem Menschen leidet oder einfach die Folgen, wenn Spielregeln des Lebens nicht beachtet werden. Ich bin dankbar, dass uns Corona aus dem Hamsterrad unseres menschenverachtenden Alltags gerissen hat. Wie viele Burnouts hat unser Lebensstil hervorgebracht, wie viel Hektik, die den Nebenmenschen übersieht, übergeht. Jetzt erleben wir schmerzhaft, aber eindrücklich, wie gut die Luft riecht, wie wertvoll eine echte Begegnung ist. Ich danke Gott für die Möglichkeit, die Alternativen endlich sehen zu können und ich bete, dass es nicht noch mehr Tote braucht. Gott sei Dank sind die bisher Verstorbenen in seiner Hand. Ich bete, dass wir auf Gottes Reden hören und Ihn wieder König sein lassen.

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