In letzter Zeit haben mir junge Frauen häufig zurück gemeldet: „Oh, wenn ich dich und dein Leben mit den Kindern so sehe, möchte ich auch gerne Kinder haben!“ Das freut mich sehr. Es ist ja ein total schönes Kompliment! Im Gespräch stellt sich dann allerdings häufig heraus, dass sie auf Instagram meinen Fotos und Gedanken aus dem Alltag folgen und deshalb zu dem Schluss kommen, dass so ein Leben mit kleinen Kindern echt schön sein muss. Und das ist es auch. Aber nicht weil ich Kinder habe.

Ich werde irgendwie unruhig dabei und will kein entmutigender Spaßverderber oder kritischer Prophet sein, aber ich möchte eigentlich sagen: „Überleg es dir gut. Lass dich nicht täuschen, dein Leben wird durch Kinder nicht unbedingt glücklicher.“

Ich liebe meine Kinder. Und ich bereue keine Sekunde, dass es sie in meinem Leben gibt. Aber nur weil ich sie liebe und nichts bereue, heißt es nicht, dass es immer einfach ist. Ich habe noch nie zuvor eine so schöne und eine gleichzeitig so schwierige Aufgabe gehabt wie Mama zu sein.

Glück ist nicht Kinder zu haben, sondern dankbar zu sein.

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Ja, mein Leben ist schön! Das darf es sein. Ich werde meine Erschöpfung nicht wie einen Ehrentitel tragen, darüber hatte ich schon einmal geschrieben. Und ich möchte es gerne teilen, denn mich selbst motivieren auch die positiven und dankbaren Geschichten anderer Frauen. Ein flacher Bauch mit einem 6-monatigem Baby sagt mir persönlich eher: „Das kannst du auch, Sarah!“ und nicht „Oh nein, mein Bauch sieht so schlimm aus!“ Ich entscheide mich, mich nicht fertigmachen zu lassen, sondern inspiriert zu werden. Und wenn ich doch einmal wieder im Selbstmitleid versinken möchte, brauche ich mir nur all die gesammelten Fotos in meinem eigenen Account ansehen und finde 1.000 Gründe dankbar zu sein. Aber ich bin nicht dankbar wegen meiner Kinder. Manchmal entscheide ich mich dankbar zu sein – trotz meiner Kinder.

 

Als ich mir Kinder gewünscht habe – ich habe erstmal mit einem angefangen – hatte ich irgendwie total stark vor Augen wie entbehrungsreich das Mam-Sein werden wird. Vielleicht betone ich deshalb auch so häufig die schönen Seiten. Ich wusste ich werde mich selbst zu großen Teilen aufgeben lernen. Meinen Körper der Schwangerschaft und dem Stillen hingeben, meinem Schlaf den Bedürfnissen meiner Kinder unterordnen, meine Essgewohnheiten, meinen Beruf, meine Freizeitgestaltung – alles würde sich von nun an nach meinem Kind richten. Und das stimmt. Er hat alles auf den Kopf gestellt! Ich selbst stehe viel seltener im Mittelpunkt meiner Entscheidungen und und irgendwie glaube ich auch, dass ein großer Teil des Glücks am Kinder kriegen eben auch in dieser Selbstaufgabe liegt.

I have found the paradox, that if you love until it hurts, there can be no more hurt, only more love.
– Mutter Teresa

Trotzdem bin ich ziemlich sicher, dass ich nicht glücklich bin, weil ich Kinder habe. Ich glaube auch nicht, ich wäre glücklicher, wenn ich keine hätte. Auch nicht mit einem anderen Job und auch nicht in einer anderen Wohnung in einer anderen Stadt, nicht mit einem anderen Mann. Aber ich bin auch nicht glücklich, weil ich einen Mann habe. Nein, keiner dieser Umstände macht mich langfristig glücklich. Umstände allgemein machen mich nicht glücklich – in allen Umständen dankbar zu sein, das macht mich glücklich.

Also, wenn du dir Kinder wünscht, dann möchte ich dich ermutigen! Los gehst! Warte auf den richtigen Zeitpunkt und dann geh nie wieder zurück. Du wirst das nie bereuen, du wirst lieben wie nie zuvor – es gibt, finde ich, nicht schöneres!

Aber wenn du dir Kinder wünscht, weil du gerade unzufrieden mit dir und deinen Lebensumständen bist. Oder weil du dir eine Veränderung wünscht. Etwas, dass dich glücklich macht. Oh, dann bitte ich dich – in deinem eigenen und im Interesse deiner Kinder – warte doch noch ein bisschen. Suche das Glück, die Freude, deinen Sinn und gib ihn an deine Kinder weiter wenn du ihn gefunden hast. Aber lass dich nicht täuschen: Kinder machen nicht glücklicher sie lehren uns eine neue Art zu lieben, aber um die umarmen zu können sollte man am Besten schon vorher glücklich sein.

4 replies on “Ich bin nicht glücklich weil ich Kinder habe

  1. So schön geschrieben. Ich kann deine Worte nur bestätigen. Ich glaube es ist eine Einstellungssache, eine bewusste Entscheidung, das Gute in allem zu sehen. Aber es fällt gewiss nicht immer leicht. Und das Leben mit Kindern ist ganz sicher nicht leicht, aber sehr bereichernt!

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  2. Mir hat mal jemand gesagt: „Auf deinen Familienfotos sieht es immer aus wie in Bullerbü. Aber wenn man euch besucht, ist es echt LAUT.“ Ja, so ist das 🙂 Du hast das echt einmalig beschrieben! Ich habe jung (mit noch nicht ganz 20) mein erstes Kind bekommen. Ich war glücklich. Jetzt bin ich 36 und habe fünf Kinder und bin glücklich. Ich hätte auch mit zwei Kindern glücklich sein können. Ohne Kinder… oh, das wäre echt ein Herausforderung für mich gewesen! Doch unsere Freude liegt in Jesus, nicht in den Umständen. Ich wünsch dir weiter viel Freude mit deinen Kids – und Freude am schreiben, ich lese dich sehr gern 🙂 Liebe Grüße, Martha

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