und wie ich selbst so jemand wurde.

 

Kennt ihr anstrengende Mütter? Ihr Erzieher, KinderkrankenpflegerInnen da draußen? Ihr Grundschullehrer und Kinderärzte? Ihr Sozialarbeiter und Familienhelfer? Wir kennen sie alle, diese anstrengenden Mütter, oder? Ich kenne sie.

Auch bevor ich eigene Babies hatte, mochte ich Kinder echt gerne. Ich konnte mit ihnen Quatsch machen, Ausflüge unternehmen und dafür sorgen, dass eine ganze Gruppe ordentlich in einer Reihe sitzt. Ich mochte die unbeschwerte Art der Kinder, ihre Neugierde, Anspruchslosigkeit, Unvoreingenommenheit, Freude und Kreativität.

Ich habe mich immer auf die Zeit mit Kindern gefreut, aber es gab eine Sache die konnte ich an Kindern nicht leiden. Diese nervigen Menschen konnte mir den ganzen Spaß an Kindern verderben. Ich war genervt von diesen anstrengenden Eltern! Ich arbeitete viel mit Kindern und sah einige Eltern mit ihren Kindern umgehen. Ich war fassungslos wenn Kinder einfach nicht „vernünftig“ essen konnten. Oder wenn sie ein „Nein“ partout nicht akzeptierten. Innerlich rollte ich mit den Augen und dachte „Ach komm, lass mich das mal machen.“

 

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Irgendwie hatte ich eine arrogante Haltung entwickelt und dachte, ich wüsste es einfach besser. Ich bildete mir ein, ich wüsste besser mit den Kindern umzugehen als die eigenen Eltern. Denn auf mein „Nein“ hörten die Kinder, bei mir konnten sie in einer Reihe sitzen und vernünftig essen ging sogar mit 20 Kindern an einem Tisch – ich wusste ja also offensichtlich wie das geht.

Was für ein Irrtum, denke ich heute!

Denn jetzt treffe ich Menschen mit genau der gleichen Einstellung wie damals meiner. Ich sehe ihre Blicke, höre ihre Gedanken und manchmal auch ihre Worte. Als ich vor einigen Monaten mit meiner kleinen Nova ins Krankenhaus musste, sagt mir die Krankenschwestern (die uns beide nach 1,5 Stunden Schlaf in der Nacht weckt): „Gehen sie sich mal einen Café holen, wir wissen schon wie man das macht.“ und drückt meinem schlafenden Baby ein Inhalationsgerät ins Gesicht, woraufhin wir alle in zwei tränenüberströmte, erschrockene Babyaugen sehen. Der Babysitter lässt fallen er habe dein Eindruck Liam würde zu Hause selten ein „Nein“ hören und im Babyraum fragt eine Frau die Mutter neben sich, ob sie das Baby nicht mal halten soll damit es aufhört zu weinen.

 

Eine Mutter versteht auch, was ein Kind nicht ausspricht.

Jüdisches Sprichwort

 

Und plötzlich stehe ich auf der anderen Seite. Ich bin die Mama die anderen auf die Nerven geht. Die Mama, die der Krankenschwester sagt, sie selbst wüsste besser wie sie mit ihrem Baby inhalieren kann. Die, die nicht einfach mal eben einen Café trinken geht, sondern wissen möchte was sie mit meinem Kind machen wollen. Die Mutter, die nachfragt und wissen will was am Vormittag in der Kita gespielt wurde, die Listen schreibt für Babysitter mit Schlafenszeiten und Essgewohnheiten. Ich bin die Mama, die Omas und Opas nahelegt Obst anstatt Lollis zu füttern, die ihrem Kinderarzt weitere Untersuchungen abverlangt, weil sie sich Sorgen um die Kinder macht. Diese Mama bin ich und ich bereue es kein einziges bisschen!

 

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Denn ich weiß am Blick meiner Kinder wie es ihnen geht. Ich kann sie lesen. Ich kenne sie. Ja, ich weiß tatsächlich besser wie man das macht. Ich habe sie von Tag ihrer Geburt jeden Tag gewickelt, gefüttert, getragen, erzogen, geküsst und ihnen Liebe zugesprochen. Ich habe auch Fehler gemacht und ich kann sicherlich viel von all den kompetenten Beratern und Freunden lernen. Auch von vielen Erzieher, Kinderkrankenschwestern, Omas, Opas und Ärzten. Und das will ich gerne. Aber heute weiß ich wie Liam sich schüchtern auf seinen Platz setzt wenn die Babysitterin das sagt. Ich weiß wie er sich protestlos von der Erzieherin wickeln lässt und keinen Wutausbruch bekommt wenn es Zeit für Mittagsschlaf ist. Ich sehe wie die Kinder sich freuen wenn Fremde mit ihnen spielen. Ich sehe wie meine Kinder bei anderen  freundlich sind, funktionieren und zuhören und ich bin stolz darauf. Denn ich bin sicher, ich habe meinen Teil dazu beigetragen.

 

Nur die Liebe kann erziehen. Darum muß die Mutter das meiste in der Erziehung tun, weil sie die meiste Liebe hat. Ohne Liebe bleibt das beste Erziehungssystem totes Wissen.

Adalbert Stifter (1805 – 1868)

Und ja, ich sage oft zwanzig Mal „Nein“ und nichts passiert. Liam hat Wutausbrüche vor dem Schlafen gehen und auch im Supermarkt. Er protestiert beim Wickeln und er isst nicht so sauber und reinlich wie ich es mir wünschen würde. Und das ist okay. Denn ich liebe ihn trotzdem und er weiß das. All das tut er bei mir, weil er bei mir zu Hause ist. Bei mir ist er sicher genug sich Fehler zu erlauben, sicher genug seine Wut rauszulassen und nicht nur zu funktionieren. Sicher genug Grenzen zu testen und zu streiten.

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Also was ich mir wünsche während ich diese Zeilen schreibe? Ich wünsche mir Respekt. Gegenseitig. Ich habe großen Respekt davor, wenn Kinderärzte täglich über zwanzig besorgte Muttis von Kindern mit Schnupfnasen treffen und ihnen fachmännisch die Sorgen nehmen. Ich respektiere Sozialarbeiter und Familienhelfer aus tiefster Seele – Danke für euren Einsatz in den Familien! Danke für eure Zeit, euren Rat und eure Kompetenz! Danke auch liebe Babysitter! Eure ungeteilte, freundliche Aufmerksamkeit ist für unsere Kinder ein riesiges Geschenk. Danke liebe Erzieher, dass ihr unseren Kindern eure Zeit schenkt – ich weiß, ihr bekommt nicht die angemessene Bezahlung für die harte Arbeit und die geduldige Liebe die ihr gebt. Danke liebe Kinderkrankenschwestern! Tag und Nacht seid ihr für unsere Kleinen im Einsatz! Ihr seid da wenn wir ohne euch nicht mehr weiter wissen. Ihr trefft uns und unsere Kinder an unseren körperlichen und emotionalen Tiefpunkten und helft uns wieder heraus.

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Und wenn du eine von ihnen bist und Eltern dich nerven: Darf ich dich bitten, zu glauben, dass sie ihre Kinder lieben? Zu vertrauen, dass sie die Fehler die sich machen, nicht absichtlich tun und zu verstehen, dass die Kinder die du triffst bei ihnen zu Hause sind. Wie wäre es, wenn du ab und zu die Eltern nach ihrer Meinung zu dem Verhalten ihrer Kinder fragst? Vielleicht können sie deine dann bald auch lieber hören – denn wir wollen doch gemeinsam das Beste für die Kinder, oder?

Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.

Afrikanisches Sprichwort

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