Ich kann die Wohnung dekorieren und überall brennen Lichter und Kerzen und Schneebilder an den Fenstern… und währenddessen zupft immer ein kleiner Mann an meiner Hose und versucht mich in Richtung Spielzeugkiste zu schieben. Und, ja, ich habe auch das Edeka-Video gesehen und war auch zu Tränen gerührt. Und trotzdem mache ich das hier.

Ich kann mit den Kindern spielen und kuscheln und toben und dann bin ich so müde, dass ich für meinen Mann nur noch ein müdes „Essen ist im Kühlschrank“ über habe. Das wars. Keine romantische Liebe, kein leidenschaftlicher Begrüßungskuss, kein interessiertes „Wie gehts Dir?“. Nur noch Müdigkeit.

 

 

Ich kann Arbeiten und Geld verdienen und dann bleibt keine Zeit mehr für freiwilliges Engagement. Und ich will es mir nicht eingestehen! Aber letztens fragte mein Mann mich, ob ich ein Büro in der Kirche einrichten würde. Das fällt mir leicht und ich mache es sehr gern und es wird Zeit, dass dort ein bisschen Design einzieht. Aber ich kann nicht. Schaffe es einfach nicht. Nicht mal diese kleine Aufgabe. Denn dann kann ich etwas anderes nicht und es gibt schon gar nichts mehr zum Wegstreichen in meinem imaginären Terminkalender.

Und eigentlich ist es fast egal wie viel ich zu- oder absage. Denn der Spagat bleibt. 24/7 sind da zwei kleine Menschen, die immer eine Idee haben, was sie gerade gerne mit mir machen würden. Es gibt immer etwas zu tun im Haushalt und in der Kirche sowieso und auf der Arbeit auch. Ich würde meinen Mann gerne immer etwas mehr lieben als ich kann, mit meinen Kindern mehr Zeit verbringen als ich habe, mir selbst öfter etwas Gutes tun, mehr Menschen helfen und größere Projekte bewegen. Egal, was ich alles bewältige, da ist immer noch etwas unerledigt und nicht gut genug gewesen.

Also hier stehe ich, am Rande meiner Grenzen. Mitten im Advent und vielleicht sogar voller Plätzchenteig, und Lichterketten und Weihnachtsvorbereitungen. Aber das ist egal. Denn was immer ich auch tue, es ist nicht gut genug. Und an diesem kleinen, verzweifelten Ort in meinem Herzen, finde ich das Herzstück von Weihnachten. Ich entdecke worum es mir wirklich geht.

Und dann sind da die Hirten auf dem Feld. Verachtet von der Gesellschaft, 90% Alkoholiker, stinken nach Schaaf und reden über dreckige Themen.

Und dann ist da Maria. Ein Teenager-Mädchen. Verachtet. Unverheiratet und schwanger. Ohne Sicherheit mit der Angst als Hure abgestempelt auf der Straße zu landen.

Und Josef. Ein Jugendlicher. Die Freundin schwanger und sein Kopf voller Fragen. Und nichts kann er ihr bieten. Kein Haus, keinen Schutz, keinen Respekt, keine Achtung.

Und wir sind alle zusammen: Nicht gut genug. Wir reichen nicht aus. Nicht unseren eigenen Standards und nicht den Erwartungen anderer.

Und dann ist da er. Jesus. Er, der alles hat. Himmlische Zustände und Strassen aus Gold, sagt man. Und da liegt er: In einer Krippe. Mitten im Kuhstall, wo es stinkt und die Strassen sind aus Matsch.

„Good morning! You’re beautiful with God’s beauty, beautiful inside and out! God be with you.“ She was thoroughly shaken, wondering what was behind a greeting like that. But the angel assured her, „Mary, you have nothing to fear. God has a surprise for you: You will become pregnant and give birth to a son and call his name Jesus.“
– The Message, Luke 1

Und hier entdecke ich mein Herzstück von Weihnachten. Nicht die Plätzchen, Adventskalender, Lichterketten, Tannenbäume und Kerzenschein. Auch nicht eine erfolgreich inszenierte verwunschene und romantische Weihnachtsidylle im Familienkreis. Mein Herzstück von Weihnachten, ist der Geburtstag von dem der mein „Nicht gut genug“ sieht und zu mir kommt. Für ihn muss ich nicht gut genug sein, muss nichts leisten, mich nicht besonders hervorheben, nichts Großartiges geschmückt haben. Er kommt zu mir, denn er ist gut. Und mehr als genug für mich.

 

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P.S.: Das Buch auf den Fotos würde ich meinen Kindern direkt unter den Weihnachtsbaum legen, wenn wir es noch nicht hätten. Es ist eins der Bücher, die ich vorlese damit es meiner eigenen Seele wieder gut geht =)

One thought on “Wenn alles was ich noch habe, nicht gut genug ist.

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