Ich hatte den Kindern French Toast zum Frühstück versprochen, wie wir es letztens im Film gesehen haben. Filmabende und Frenchtoastmorgende sind mittlerweile etwas besonderes. Denn viele Wochenenden verbringe ich ohne die Kinder. Der Alltag ist unser Dancefloor und wir haben einen ganz guten Tankt miteinander gefunden – ok manchmal ist es auch wild. Und laut. Aber so ist das eben auf nem guten Dancefloor.

Heute gibt es also French Toast. Aber ich halte mich kaum aufrecht. „Ich räume jetzt kurz die Küche auf und dann muss ich nochmal ins Bett.“ sage ich und kapituliere schonmal vorsorglich vor dem Chaos was in den 90 Minuten unbeaufsichtigtem Spielen entstehen wird. Ich will nur noch einmal kurz schlafen. Fühle mich irgendwie angeschlagen. Vielleicht hat es mich jetzt nach drei Wochen kranken Kindern doch auch erwischt? Es hilft nicht. Auch 90 Minuten später bin ich nicht fit. Ein Kind liegt neben mir und macht nochmal ein Nickerchen als ich aufwache. Auch schön irgendwie. Die anderen spielen. Auch schön irgendwie. Mit Uhu auf dem Teppich oder so vermutlich.

Am Ende des Tages habe ich es zu drei Mahlzeiten mit den Kindern aus dem Bett geschafft – eine davon war bestellt. Alle haben überlebt und eins meiner Kinder fragt mich vor dem Schlafen, ob wir ganz sicher keine Messies seien. Schön Salz in die Wunde. Danke auch. Nein. Seien wir nicht, das sei nur temporär antworte ich selbstbewusst und frage mich innerlich, ob es wirklich schon so schlimm ist und ich es nicht mehr sehe. Irgendwo unter meinen dröhnenden Nebenhöhlen finde ich mein Erwachsenen-Ich und vergewissere mich: Nein, keine Messies. Nur Alleinerziehend, vier Kinder und 12 Stunden krank.

Ich habe an diesem Tag meine Eltern und den Papa der Kinder zeitweise als Unterstützung gehabt. Ich will das kein Privileg nennen. Aber wenigstens erwähnen, dass diese Selbstverständlichkeit leider nicht allen alleinerziehenden Müttern vergönnt ist.

Trotzdem war es einer dieser Momente in denen wir alle spüren, was das ganz praktisch heißt, dass ich allein verantwortlich bin. In dem kurz mal unter die Lupe genommen wird, warum ich seit der Trennung anders zur Krebsvorsorge gehe. Ich weiß, dass ich nicht ausfallen darf. Eigentlich nicht einmal für zwölf Stunden. Alles andere ist unvorstellbar. Ich habe seitdem ich alleinerziehend bin mehr Angst vor Krankheit, vor Armut, vor Schicksalsschlägen. Ja, ich gehe zum Sport, weil es mir gut tut. Und weil ich auf mich aufpassen muss. Mehr als je zuvor. Vieles was ich aus Freude tue, tue ich auch manchmal aus Angst. Je nach Tagesform meines Erwachsenen-Ichs. Denn ich bin nicht nur allein – das mit der Einsamkeit, ist nochmal ein anderes Thema – ich bin die einzige Erwachsene im Haushalt. An mir hängt alles. Und da hilft auch Atmen und Loslassen nur teilweise – denn die Verantwortung klebt an mir. Wie der Uhu am Kinderzimmerteppich.

Am nächsten Tag klingelt der Wecker um 5:50 wie jeden Morgen. Die Frage, ob ich bereit bin erübrigt sich. Ich stehe auf und mache was getan werden muss bis um 8:30 alle in der Schule und Kita sind. Ich koche mir einen Tee und lege mich unter meine Wärmedecke. Ich bin die einzige Erwachsene im Haushalt. Alles liegt noch dort wo ich es wiegengelassen habe. Weil ich die einzige Erwachsene im Haus bin. Auf meinem Konto ist, was ich verdient habe. Und es wird nur abgezogen, was ich entscheide auszugeben. An meinen Wänden hängen die Bilder die ich mag. Im Kühlschrank ist, was ich eingekauft habe. Ich tanze in der Küche, ich bade mit offener Tür. Ich singe so laut ich will und ich sage was ich will. Wir haben Regeln, die ich gut finde und Routinen, die ich für sinnvoll halte und für dich ich mich vor niemandem rechtfertigen muss. Ich fahre in den urlaub wann ich will und wohin ich will. Und mit wem ich will. Bei uns ist Musik in allen Räumen und Blumen in jedem Zimmer. Es ist wild und bunt, wie auf jedem guten Dancefloor. Ich bin die einzige Erwachsene im Haushalt. Und ich liebe die Freiheit, die ich dabei habe!

Ich habe das letzte Jahr geschafft. Ich habe zwölft Stunden krank geschafft. Und dabei wie versprochen French Toast gemacht. Als einzige Erwachsene im Haushalt. Und jeder Dancefloor hat nach einer richtig guten Party auch mal einen schmutzigen Boden, oder?

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