Wenn ich keine Mutter wäre, wäre ihr heute wahrscheinlich um 10 Uhr aufgestanden und hätte meiner Mutter einen Blumenstrauß gekauft. Ich wäre wahrscheinlich nicht nur eine Nacht sondern drei in Berlin geblieben. Und die Nächte hätte ich nicht geschlafen, sondern getanzt. Und die Tage nicht unter Familienbloggern verbracht, sondern in Umkleidekabinen. Ich hätte Mode und nicht Windeln geshoppt.

Wenn ich keine Mutter wäre, wäre ich schlanker. Ich wäre zweimal wöchentlich beim Sport und ich hätte Zeit und Kraft um 20:00 Uhr einen Salat zu schnippeln, weil ich nicht noch fünf Mal ins Kinderzimmer müsste um zu erklären, dass ich sie wirklich nicht alleine lasse. Ich hätte wahrscheinlich einen Verein gegründet und vielleicht meinen Master endlich fertig. Wäre ich keine Mutter, hätte ich mehr Geld verdient, mehr getan, was nur ich will und im letzten Jahr mehr Freundinnen getroffen. ich hätte öfter um 18:00 Uhr in der Sonne mit Flat White in der Hand gesessen, ich wäre im Urlaub gewesen und würde keine Erziehungsbücher lesen.

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Und wenn ich keine Mutter wäre, würde mir gleich keine zwei kleinen Arme um den Hals fallen und mit einem ehrlichen leuchten in den Augen sagen: „Ich freu mich, weil du jetzt da bist!“ Und ich würde nicht aus tiefstem Herzen antworten: „Ich auch. ich habe dich vermisst!“ Es würden nachts keine kleinen kalten Füße unter meine Bettdecke wandern. Wenn ich keine Mutter wäre, würde ich nicht meinen Körper voller Ehrfurcht ansehen und wissen: Ich bin stark. Stark genug um Leben zu tragen. Wenn ich keine Mutter wäre, würde ich keine Tränen des Glücks weinen, wenn ich an die Zukunft zwei kleiner Menschen denken. Ich würde niemals den unendlichen Wert eines Menschen fühlen können, eines Menschen der unter dem Herzen getragen würde. Ich würde mich nicht heimlich aus tiefstem Herzen lachend wegdrehen, während mein Mann seine unglaublich kluge und lustige Tochter für ihr freches Verhalten ausschimpft. Nein, ich wüste nicht was ein „Liemeling“ und ein „Wunewum“ ist und ich hätte keine Ahnung, wie gut Schokoladeneis wirklich schmeckt (und wo man es sich überall hinschmieren kann).

Wenn ich keine Mutter wäre, würde ich vielleicht denken, mein Beruf wäre wichtiger als er wirklich ist. Ich wäre vielleicht in die Falle getappt zu glauben, dass Geld glücklich macht und, dass ToDo-Listen wichtiger als Menschen sind. Wäre ich keine Mutter, würde ich meiner Mutter zwar den gleichen Strauß Blumen schenken, aber nicht mit der gleichen Achtung. Ich würde vielleicht die Nächte in Berlin durchtanzen und vielleicht würde ich ausschlafen. Aber niemand würde morgens vor meinem Bett stehen und unter seinem kleinen Pony hervor winken und sagen „Mama, komm bitte. Frühstück.“ Niemand würde mit seinem Zeigefinger ein Messer imitieren und wie jeden Morgen proklamieren: „Ich will ein halbes Marmeladenbrot und ein halbes Honigbrot“ und ich würde nicht müde lächeln und ihm genau diesen Wunsch erfüllen. Oh nein, ich wüsste nicht wie es sich anfühlt, wenn der Mensch, den du über alles liebst „Danke Mama“ sagt. Und wenn ich keine Mama wäre, wüsste ich nicht, wie es ist jemanden so zu lieben, dass man sich selbst vergisst. Und all die Fitness und Wellnesstage und die durchgetanzten Nächte und ausgeschlafenen Morgende und all die Gehaltserhöhungen und Urlaube. Ich wüsste nicht, was Liebe ist und, dass sie auch in mir lebt.

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2 Antworten auf „Wenn ich keine Mutter wäre…

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