Wie man den Alltag mit Kleinkindern leichter nehmen kann

 

„Ist das eigentlich anstrengend mit zwei so kleinen Kindern?“ werde ich häufig gefragt. Oder letztens sagte eine alte Frau im Eis Café zu mir, während ich stillend und Eis-Tropfen-wegwischend versuchte mein eigenes Eis zu essen bevor es schmolz: „Na, da brauchen sie aber gute Nerven, oder?“. Ich antworte meistens mit einem (auch immer wieder mal gequälten) Lächeln und Schweißtropfen auf der Stirn: „Ja, je nach Tagesform“. Denn manchmal ist es richtig, richtig anstrengend! Und manchmal ist es total schön und zum Auftanken für mich.

Letztes Wochenende saß ich mit meiner Mutter und meiner Oma im Garten und die Kinder schliefen. Beide gleichzeitig. Tief und fest. Und immer wieder sagten meine Oma und Mutter abwechselnd zu mir: „Leg dich doch auch ein bisschen hin und genieß das!“. Aber ich wollte nicht. Ich hatte zu große Angst davor, mich hinzulegen und auf eine heiß ersehnte Pause zu freuen um dann, in dem Moment in dem ich meinen Kopf auf das Kissen lege, ein lautes „Mama!“ durch das Babyphone zu hören. Aus Angst vor dieser Enttäuschung blieb ich wach und genoss drei Stunden (!!) gleichzeitigen (!!!) Mittagsschlaf. Quatschend im Garten, aber ohne eine Minute Schlaf.

Wenn ich gefragt werde wie es mir geht, weiß ich oft keine Antwort. Denn in einen Moment in dem Nova friedlich schläft und Liam fröhlich durch den Wald spaziert, geht es mir sehr gut. Mein Leben ist ein kleiner Traum, ich sprudel über vor Liebe und tanke richtig auf. All diese Lebensfreude und niedliche Begeisterung….! Aber schon im nächsten Moment kann alles anders aussehen. Liam soll nicht mit dem Stock gegen den Kinderwagen hauen, findet das blöd und bekommt einen Wutanfall, schmeißt sich auf dem Boden und weckt damit Nova auf. Die ist unausgeschlafen und will getragen werden. Ich kann aber nicht zwei Kinder gleichzeitig tragen und einen Kinderwagen schieben, also schreien beide noch lauter. Ich habe Schweißperlen auf der Stirn, versuche klar zu denken und überlege wie man das ganze jetzt möglichst pädagogisch wertvoll beendet ohne noch mehr unangenehmes Aufsehen zu erregen… und es geht mir gar nicht mehr gut. Purer Stress. Komplette Überforderung.

In Momenten in denen beide Kinder weinen, ich niemandem gerecht werde und wünschte ich könnte vor meinen eigenen Kindern wegrennen, während ich mich dafür fertig mache so etwas zu denken, schoß mir häufig durch den Kopf: „Das ist schrecklich. Zwei Kleinkinder war eine ganz ganz dumme Idee!“ Grundsätzlich. Und dann ändert sich die Lage ganz schnell wieder und ich sitze mit zwei strahlenden, glucksenden Kindern auf dem Wohnzimmerboden und freue mich meines Lebens.

 

Deshalb habe ich angefangen in diesen Stress-Momenten nicht unsere ganze Lebenssituation und Familienplanung in Frage zu stellen, sondern mir einfach zu sagen: „Jetzt gerade ist es wirklich sehr anstrengend“. Das wirkt Wunder! Ich gestehe mir damit meine Grenzen ein, ich werde mir bewusst, dass ich gerade gestresst bin und merke häufig, dass ich es momentan auch nicht ändern kann. Und das gestehe ich mir einfach zu: Es ist gerade jetzt anstrengend – nicht mehr und nicht weniger. Nicht grundsätzlich, aber jetzt!

Als ich mit meinem ersten Kind nach der Geburt im Krankenhaus lag, sagte mir eine junge Ärztin: „Wenn es anstrengend wird können sie sicher sein: Es wird nicht immer so bleiben. Das sind nur Phasen…“. „Bla bla, toller Spruch“, dachte ich. Und habe mich natürlich bei jeder negativen Veränderung und mit jedem anstrengendem Wachstumsschub heimlich gefragt: „Oh nein, ist das jetzt mein Leben? Bleibt das jetzt immer so?“.

Jetzt, beim zweiten Kind, habe ich einen Vorteil: Dieser Spruch „Alles ist eine Phase“ ist für mich nicht mehr nur ein Spruch, sondern eine Erfahrung geworden. Ja, auch die anstrengendsten Phasen gehen vorbei (und man wünscht sie sich ein Jahr später wieder zurück, weil sie so niedlich waren)! Irgendwann schlafen Kinder durch, eines Tagens haben sie alle Zähne, bald können sie krabbeln, sie wollen nicht für immer nur in meinem Arm einschlafen und sie werden nicht auf ewig den Brei essen wollen. Deshalb werden die Worte gerade und momentan in letzter Zeit zu meinen ständigen Begleitern.

Mit einem eineinhalbjährigen  Kleinkind und einem vier Monate alten Baby, wird mir bewusst was wir als Eltern von Kleinkindern brauchen: Ein Bewusstsein für die Phase in der wir gerade leben. Denn auch das was uns Eltern gerade begegnet ist eine Phase. Eine Phase in der zwischen Freudenjuchzern und Wutausbrüchen häufig nur ein „Nein, heute keine Kekse mehr“ liegt. Eine Zeit in der die Länge unsere Nächte nicht vom Wecker sondern vom Mageninhalt unsere Babies abhängt. Eine Phase voller Überraschungen und unvorhergesehener Freuden sowie Herausforderungen.

Wir stehen morgens auf und können nicht sagen ob ein guter oder schlechter Tag vor uns liegt, wir können nicht planen ob wir es schaffen werden während des Mittagsschlafs zu kochen, Emails zu beantworten und ein Buch zu lesen. Wir wissen nicht wie oft wir in der Nacht aufstehen werden und ob wir morgen Abend noch fit genug für eine Geburtstagsparty sind. Wir können auch nicht sagen ob morgen der Tag ist an dem sich das Baby zum ersten Mal umdreht, an dem die Tochter ihren ersten Zahn bekommt, an dem der Sohn den ersten Schritt geht oder das erste Wort sagt und wir vor Stolz fast platzen werden.

Wir haben kleine Kinder und wir haben nur Jetzt. Gerade. Im Moment. Heute. Und das ist alles was wir brauchen. Wir sind hier. Jetzt gerade. Heute. Und wir haben kleine Kinder. Was für ein Glück! Das ist alles was wir brauchen.

 

„Macht euch keine Sorgen um den nächsten Tag! Der nächste Tag wird für sich selbst sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last bringt“ (Jesus, Mat. 6:34)

 

Jetzt. Heute. Hier. Gerade. Wie geht es dir? Egal, wie du diese Frage beantwortest: Es wird vorbei gehen. Zum Glück und leider.

 

 

One thought on “Leben, Jetzt und Hier

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