Karriere ist etwas Herrliches, aber du kannst dich nicht in einer kalten Nacht an ihr wärmen (Marilyn Monroe)

Mit meinem zweiten Baby im Bauch mache ich mir in letzter Zeit einige Gedanken darum, wo es mit mir beruflich noch so hingehen soll. Ich habe mir mein Studium und Beruf ursprünglich nicht aus dem Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit und auch nicht aus dem Wunsch nach einer dicken Karriere ausgesucht. Ich wollte tun was ich kann und damit anderen Menschen gut tun.

Das klingt wahrscheinlich nach einer noblen Motivation und viel Idealismus, aber ganz praktisch sitze auch ich vor Arbeitsverträgen, Gehaltsabrechnungen, Aufgabenbeschreibungen und Kontoauszügen und auch der größte Idealismus muss sich in der Realität bewähren.

Meine Realität waren bisher meistens ehrenamtliche und bezahlte Jobs bei denen ich getan habe was mir wirklich Freude macht. Ich bin immer zur Arbeit gegangen und wusste warum. Ich kam mir nie sinnlos vor und habe mich oft gefragt: „Werde ich auf diese Zeit in meinem Leben zurück gucken können ohne zu bereuen, sie verschwendet zu haben?“. Meistens konnte ich diese Frage mit „Ja“ beantworten und habe glücklich weiter gemacht.

Mit der Zeit wurde mir aber auch bewusst, dass pure Nächstenliebe ein bisschen wenig zielorientiert sein kann und ich frage mich, wo ich eigentlich in 10 Jahren beruflich stehen will. Außerdem merke ich, dass ich gerade unter Theologen in Freikirchen als Frau nicht gerade in einer gleichberechtigten Subkultur lebe. Und auch außerhalb dieser christlichen Subkultur scheint der Spagat „berufstätige Mutter“ auch nicht gerade ein einfacher Weg zu sein. Vernunft macht sich breit und ich hinterfrage ob purer Idealismus tatsächlich ausreicht? Oder sollte man auch in sozialen und idealistischen Berufen eine „Karriere“ im Sinn haben?  Zumindest, vermute ich, sollte da kein Stillstand sein, oder? Ich möchte besser werden, wachsen, mehr bewegen, mehr Verantwortung tragen – das Beste mit meinem Leben machen was mir möglich ist.

Dann habe ich „Lean In“ von Sheryl Sandberg, COO von Facebook und zweifache Mutter, gelesen. Sehr inspirierend, finde ich! Und mir wurde bewusst, dass nicht „die Gesellschaft“ und die Umstände allein mich davon abhalten beruflich mutige Schritte zu gehen, sondern mir am allermeisten meine eigenen Ängste, übersteigerten Erwartungen und geringes Selbstwertgefühl im Weg stehen könnten. „Go, girl, go!“ hab ich mir gegen Ende des Buches schon zugerufen. Du kannst es schaffen, wenn du willst. Du kannst mehr als du denkst! Du musst nicht schon aufgeben bevor du es nicht versucht hast!

Aber auch dieser Idealismus hat eine Realität: Adieu zu Nachmittagen an denen ich Zeit auf dem Spielplatz und beim Eis essen totschlage. Mehr Arbeit. Mehr Kopfzerbrechen wenn das Kind krank ist und nicht in die Kita kann. Mehr lange Tage, mehr Wäscheberge, mehr Aufgabenteilung, mehr Gleichberechtigung, mehr Geld, mehr Sorgen. Mehr von vielem irgendwie.

Du kannst es schaffen, wenn du es willst!

Und das ist hier die große Frage.

“I wish I didn’t work so hard.” ist einer der fünf Sätze den Menschen auf dem Sterbebett an häufigsten sagen – hauptsächlich Männer. Wir kämpfen wir um Gleichberechtigung. Um dann vielleicht auch endlich einmal dieses Resümee zu ziehen? Aber unter der Überschrift „Aus Sorge vor Überforderung immer knapp unter ihren Möglichkeiten geblieben“, möchte ich auch nicht leben.

Tja, es ist ein Hin und Her in meinem Kopf. Und wenn du es bis hierher geschafft hast und noch auf eine kluge Antwort auf all diese Fragen wartest, muss ich wohl spätestens jetzt Klartext schreiben: Ich habe sie für mich (noch) nicht gefunden. In diesem Post gibt es keine Lösung. Oder vielleicht doch. Zumindest eine für heute Abend.

Karriere ist etwas Herrliches, aber du kannst dich nicht in einer kalten Nacht an ihr wärmen (Marilyn Monroe)

Denn auch wenn ich keine herrliche Karriere habe, habe ich Menschen an die ich mich in einer kalten Nacht kuscheln kann. Und das soll mir für heute reichen.

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2 replies on “„Mama macht (k)eine Karriere!“

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