Wie mir der Alltag mit Kind Spaß macht

 

Ich habe einmal ein Buch übers Schlaftraining von Babies gelesen. Ich habe nichts von dem Buch umgesetzt, irgendwie ist das mit diesem Training usw nicht so mein Ding gewesen. Aber ich erinnere mich gut an das Vorwort – das hat sich bei mir irgendwie eingebrannt. Es ging darum, dass ein neues (besonders ein erstes) Baby für viele Paare bedeutet, dass sich jetzt alles umstellt: Früher haben sie entschieden wann sie schlafen, essen, alleine sind, ausgehen, wann sie zum Sport gehen, wie lange sie arbeiten und an welchen Tagen sie ausschlafen – und jetzt bestimmt das Baby das alles. Ihre Freiheit und Selbstbestimmtheit hängen frischgebackene Eltern sozusagen erst mal an den Nagel.

In der Praxis stimmt das auch ganz sicher. Ein Kind verändert fast alles. So war es bei uns zumindest. Manchmal frage ich mich ob ich noch die gleiche Sarah bin. Mutter sein hat mich so sehr verändert! Aber es gibt, glaube ich, einen Unterschied im Kopf, der in diesem Vorwort beschrieben wurde. Die Eltern wurden dazu ermutigt, sich verantwortungsbewusst zu verhalten und Entscheidungen für sich und das Kind zu treffen. Das Baby hat Bedürfnisse. Es trifft aber nicht die Entscheidungen darüber, wie es ab jetzt in der Familie läuft – das tun die Erwachsenen, damit das Kind Kind sein darf.

Als ich darüber nachgedacht habe, wie es wohl sein wird ein Kind zu haben und mich mit einer Frau unterhielt die schon drei Kinder hatte, habe ich sie gefragt wie das wohl werden wird mit meinen Hobbys, Sport, meinem Job und meinem Engagement in der Kirche – wird das alles möglich sein? Und gut fürs Kind? Sie antwortet, sie glaubt, dass jedes Kind in seine Familie geboren wird. Es hat ja schon genetisch einiges gemeinsam mit den Eltern und dann wird es eben auch von deren Lebensstil und Gewohnheiten geprägt. Es lernt die Familie in die es geboren wird kennen und wächst in sie hinein. Das Baby lernt schnell sich ihr anzupassen – nicht (nur) anders herum.

Ich höre oft Eltern, in meinem Fall meistens Mütter, die den Alltag mit Kind sehr anstrengend finden. Wir opfern uns auf, stellen uns zurück und organisieren unseren ganzen Tagesablauf um die Wünsche des Kindes herum. Und das ist das unsere Definition von Liebe. Aber manchmal ist Liebe glaube ich verantwortungsbewusster als das. Ich glaube die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind ist erwachsen und trifft Entscheidungen – für sich selbst und das Kind. Sie lässt sich nicht nur von kindlichen Bedürfnissen treiben. Auch nicht von dem eigenen kindlichen Bedürfnis, von seinem Kind gemocht zu werden.

Mich hat Liam total herausgefordert erwachsen zu werden, Verantwortung zu übernehmen und mir selbst bewusst zu werden, dass ich jetzt kein Kind mehr bin. Das klingt verrückt mit siebenundzwanzig. Aber wie oft gebe ich Menschen, Situationen oder Entscheidungen anderer die Schuld für meine Umstände. Wie oft fühle ich mich als Opfer! Wie oft gehen meine Emotionen mit mir durch und alles was ich will, ist mich unter meiner Bettdecke zu verkriechen und zu weinen, um mich bei mir selbst zu beklagen wie ungerecht die Welt zu mir ist. Und jetzt kann ich das nicht mehr. Und ich will auch nicht mehr. Liam braucht eine Mutter, eine erwachsenen Mutter. Eine Mutter die weiß was gut für sie selbst und gut für ihn ist. Ich bin erwachsen und kann eigene Entscheidungen treffen. Das klingt einfacher als es manchmal ist. Ich weiß nicht ob du, wenn du das gerade liest, mich verstehst? Aber das ist wohl das Risiko beim Bloggen, man weiß nicht wirklich wie es ankommt…

„Als ich noch ein Kind war, redete ich, wie Kinder reden, dachte, wie Kinder denken, und urteilte, wie Kinder urteilen. Doch als Erwachsener habe ich abgelegt, was kindlich ist.“

Der Satz steht in der Bibel in einem Absatz den selbst der kirchenfernste Mensch wahrscheinlich von jeder Hochzeit kennt:

„Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet. Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach. Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit. Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand. Die Liebe vergeht niemals.“ (1 Korinther 13, Bibel)

So romantisch das auch klingt… Ich lese hier von einer Liebe die sich entscheidet. Entscheidet freundlich und nicht eingebildet zu sein. Die Liebe entscheidet sich andere zu bevorzugen, sich zu beherrschen, sich zu freuen, zu ertragen und zu glauben und zu hoffen. Die Liebe ist nicht ein kindliches Gefühl – die Liebe ist eine erwachsene Entscheidung.

Was bei Kinder kindlich ist, wirkt bei Erwachsenen kindisch. (Walter Ludin)

Mein Glück ist, dass ich jahrelang als Babysitter gejobbt habe bevor ich selbst Kinder hatte (ja, für mich ist unser zweites Baby schon so real, dass ich von mir selbst als Mutter von Kindern rede… ha, es dauert nicht mehr lange!). Dadurch habe ich ganz viele unterschiedliche Familien kennen gelernt und durfte sie ziemlich genau unter die Lupe nehmen – das war eine tolle Zeit!

Bei meinem längsten und liebsten Babysitterjungen hat mich schon beim Kennlerntreffen etwas überrascht. Die Mutter sagte mir: „Hauptsache er hat Spaß wenn ihr zusammen seid. Ihr könnt das ruhig genießen! Aber du sollst auch Spaß daran haben, du musst nicht alles mitmachen wenn du keine Lust darauf hast.“ Und ich dachte mir: „Wow, das klingt nach einem tollen Job! Fürs Spaß haben bezahlt werden…!“ Und das war es auch, bis zum Schluss ein toller Job! Wir waren Eis essen, Ball spielen, Boot fahren auf der Elbe, am Strand. Wir haben gemalt und gelacht und gelesen und gekitzelt. Und ab und zu habe ich mich sagen hören: „Ach nee, da hab ich jetzt keine Lust drauf. Wollen wir nicht etwas anderes machen?“.

Und ich mache das immer noch. Auch bei meinem eigenen Kind, ich gucke was uns beiden Spaß macht. Wir gehen oft Enten füttern, weil ich das gerne mag. Ich fahre in den Wald und in den Wildpark, weil ich da gerne bin. Wir gehen schwimmen, weil das meinem Rücken gut tut. Wir treffen uns mit Freunden, weil wir da beide Spaß dran haben. Wir gehen Flugzeuge gucken, weil ich die Sonne genießen will. Wir machen pünktlich Mittagsschlaf, weil ich eine Pause brauche. Und ja, oft genug werden alle meine Pläne über den Haufen geworfen, weil mein kleiner Mann irgendwelche Bedürfnisse hat die gerade wichtiger sind als, dass ich Spaß habe.

Aber ganz grundsätzlich merke ich, dass ich eine immer bessere Mutter werde umso mehr ich mir meiner Verantwortung bewusst werde und sie genieße. Ich darf entscheiden, ich bin erwachsen. Ich darf so viel Nutella essen wie ich will, sogar vorm Schlafengehen. Juhu! Das heißt leider auch, niemand anders ist verantwortlich, wenn die Hosen nicht mehr passen. Ich bin erwachsen. Ich bin die Mutter. Ich weiß, was für uns gut ist und das werde ich, so gut ich kann, tun.

Und dann nehme ich meinen kleinen Mann an die Hand und zeige ihm wie schön das Leben sein kann!


  
  
  
  
  
  
  

One thought on “Zu Lieben heißt Erwachsen werden

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