Während ich meine aufgewärmten Käsetortellini esse, schreibe ich diesen Text. Und schon schmecken sie viel besser…

Ich bin undankbar.

Ich sehe mehr Probleme in der Zukunft, als die Erfolge der Vergangenheit. Ich will so oft, was ich nicht habe und wenn ich es dann doch habe, will ich wieder etwas anderes. Ja, ich denke ich bin undankbar. Viel zu oft.

If it’s not happy people who are thankful – it is thankful people who are happy.

Häufig stellt diese Undankbarkeit kein Problem da. Denn ich habe genug Möglichkeiten immer mehr zu kriegen. Dann kaufe ich halt diese Hose. Diesen Schrank. Dieses Essen. Und diese CD. Dann fordere ich halt mehr Aufmerksamkeit. Mehr Unterstützung. Mehr Hilfe. Mehr Liebe. Und dann bekomme ich halt was ich will. Basta.

Doch es gab einmal eine Zeit, da haben ich nicht bekommen was ich wollte. Nicht bekommen was ich liebte. Da habe ich viel gelernt. (Man sollte denken ich würde das täglich erinnern – Fehlanzeige. Aber gut, wenigstens heute.)

Ich liebte einen Mann. Meinen Mann. Ich liebte ihn mit offenem Herzen. Ich liebte authentisch, verwundbar und verletzlich. Und er auch – bis Zweifel kamen. Bis er den Mut hatte sich zu fragen ob er mich lieben wollte. Ob er es konnte. Ganz.

Und ich stand da. Verletzlich. Mit offenen Armen, die warten mussten. Offene Arme, die Zeit geben mussten. Ich stand da und spürte wie der Schmerz mich lähmen wollte. Aber „das Leben“ ging weiter. Nur mein Herz wartete. Wie kann ich das ertragen? Wie lange? Wie kann ich morgen aufstehen?

When you express thankfulness, even the almost empty tank of petrol will go the extramile; it changes challenges into opportunities, mistakes into experiences, disappointments into celebrations, doubt into faith“ (Malti Bhojwani)

Ich fand die andere Seite. Auf der anderen Seite des Schmerzes gibt es Hoffnung. Ich fand, dass mein Kopf und Herz automatisch an den Schmerz dachten – wie ein Pferd, dass ohne Reiter in die falsche Richtung galoppiert. Doch da gab es noch eine andere Seite des Schmerzes. Und ich bemerkte, dass ich die Zügel dafür in der Hand hielt und nicht nutzte. Ich konnte sie lenken, die galoppierenden Gedanken. Richtung Dankbarkeit.

Ich las ein Buch. Und jeden Morgen schrieb ich auf wofür ich dankbar war. Kleine Dinge. Dinge die sonst unbemerkt blieben. Jeden Morgen. Der Erste war hart – immer wieder wollte ich schreiben „wenn doch nur…“. Aber ich schrieb. „Heute bin ich dankbar für…“. Am nächsten Tag ging es besser. Ich dachte schon tagsüber darüber nach. Ich öffnete meine Augen für all das Gute was um mich herum passierte. Für den Cafe. Für den nicht verpassten Bus. Für das gute Gespräch. Für den Frühling.
Die Situation änderte sich erstmal nicht. Ich wartete. Es schmerzte. Doch es gab eine andere Seite. Ich denke es gibt sie immer. In dem Schmerz konnte ich aufrecht stehen. Konnte klar sehen. Konnte aufstehen. Leben.

Dankbarkeit verändert nicht die Situation. Dankbarkeit verändert mich.

Heute bin ich dankbar für die CD’s in meinem Auto. Für die Tortellini und für den Wein zum Feierabend. Für das schlafende Baby. Und dafür, wie die Geschichte mit dem Mann, mit meinem Mann, weiterging. Aber davon ein anderes Mal…

One thought on “Auf der anderen Seite.

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