Ich liebe den Sommer. Diese langen Tage, nackte, rundliche Kinderfüße im Elbsandstrand, Aperol und fünf gerade sein lassen, keine Wecker stellen und am Lagerfeuer sitzen. Im Sommer gibt’s keine Schule, weniger E-Mails und kein Nachmittags-Hobby-Programm. Und irgendwie spüre ich auch weniger soziale Verpflichtungen, denn alle sind im Urlaub und ich habe keinen Überblick, wen das wann betrifft. Und so ist es vollkommen in Ordnung, wenn man im Juli einfach sagt: „Bis nach den Ferien dann.“ Ich liebe den Sommer, weil ich da endlich mal ein Buch zu Ende lese – oder mir zumindest eins kaufe, das ich plane zu lesen. Einer meiner Lieblingsmomente in diesem Sommer war, als ich spontan am Abend aus einem viel zu überfüllten Freibad geflüchtet bin, ohne einmal im Wasser gewesen zu sein, und einfach den nächsten offenen Badesee gesucht habe. Ich kam dort erst kurz vor Sonnenuntergang an und meine Wassersehnsucht war fast greifbar zu spüren. Und ich war fast allein. Der See unerwartet schön. Das Wasser war ganz still und als ich mit einem zufriedenen Stöhnen in den See tauchte und allein so weit und so lang in den Abend schwamm, wie ich wollte, fiel der ganze anstrengende Tag und der Freibadfrust von mir ab. Und ich ließ mich eine Weile tragen, von dieser erfrischenden Macht um mich herum, und es war irgendwie alles, was war und was sein wird, egal, es war einfach Sommer und ich im See. Und dafür liebe ich den Sommer.

Und ich liebe es, wenn der Sommer vorbei ist. Denn auch schon bevor ich den Sommer mit vier Kindern als alleinerziehende Mutter verbracht habe, habe ich ihn arbeitend verbracht. Ich bin selbstständig und kann mir meine Arbeitszeit frei einteilen. Aber ich kann nicht zwölfeinhalb Wochen im Jahr einfach nicht arbeiten, weil die Kinder Ferien haben. Das ist ein Vierteljahr. Und da sind noch keine Kranktage mit eingerechnet. Gleichzeitig finde ich Ferien für Kinder unglaublich wichtig. Diese sorglose Zeit ohne Programm und Verpflichtungen, wo das Nervensystem im besten Fall mal so richtig runterfährt, wo auch Preteens wieder beginnen zu spielen und die Zeit vergessen. Und die Überzeugung, dass Ferien und meine Arbeit gleichzeitig wichtig sind, führt zu dem Ergebnis, dass ich im Sommer unter einer krassen Doppelbelastung lebe. In einem ständigen Wechsel aus Zeitdruck und Arbeitspensum, das ständig neu priorisiert und verkürzt werden muss, und dem absoluten Sommerglück, Sorglosigkeit im See und lauen Abenden. Es ist schön, diese Freiheit zu haben, und es ist wirklich anstrengend.

Und das ist keine Beschwerde. Anstrengung ist etwas Schönes. Viele von uns bezahlen Fitnessstudios und Sportvereine, nur um endlich mal wieder echte Anstrengung zu erleben. Wir buchen Urlaubsreisen und wandern zum Gipfelkreuz – genau deshalb. Weil Herausforderungen uns lebendig machen, weil es ein schönes Gefühl ist, etwas geschafft zu haben. Weil Entspannung ohne Anspannung nur das halbe Glück ist.

Und deshalb bin ich froh, dass der Sommer endlich vorbei ist.

______

Wenn dich privatere Einblicke in mein Leben interessieren und du auf dem neusten Stand meiner Projekte, Rabattcodes und Events sein möchtest, abonniere hier gern meinen Newsletter.

Hinterlasse einen Kommentar