Ich gehe gerne durch schöne Hamburger Stadtteile spazieren – und ich genieße es mir dort die schönen Häuser, Gärten und Balkone anzusehen. Gerade sehen wir uns nach einer größeren Wohnung um und wenn wir dann als kleine Familie durch Klein Flottbek spazieren, scherzen wir: „Und, wollen wir hierhin ziehen? Oder ist das unter unserem Niveau?“

Besonders mag ich die Gärten und Balkone. Nicht so sehr wie sie aussehen, sondern was man auf ihnen machen kann. Ich mag die Vorstellung von lauen Sommerabenden, Freunden, Wein und Oliven. Den Ausblick und die Bücher die ich dort lesen würde. Das Planschbecken, was ich dort für meinen Sohn aufbauen würde. Und die Sandkiste. Und die Schaukel im Baum. Und das Baumhaus, das mein Mann bauen würde.

Das Glück liegt in den Momenten des Lebens. (Dirk Krenz)

In den letzten Wochen habe ich jedoch etwas beobachtet: Die Balkone sind meistens leer. In den Gärten spielen keine Kinder – die sind in der Kita. Auf den Bäumen kein Baumhaus – Papa muss arbeiten. Abends kein Wein und Oliven – morgens muss man ja früh wieder raus. Keine Bücher in Hängematten – irgendjemand muss das hier alles ja auch bezahlen. Von nichts kommt nichts.

Und dabei wird mir eine Frage deutlich, die auch ich mir stelle: Wie viel arbeite ich um mir das Leben zu leisten was ich will? Und was verpasse ich dabei? Vielleicht das echte Leben?

Mein Mann und ich haben uns schon vor einigen Jahren dazu entschieden unsere Leidenschaft zur Arbeit zu machen. Aber dieses Lebensmodell macht nicht reich. Aber glücklich?

Vielleicht liegt ein Teil des Glücks darin, aufzuhören sich zu wünschen was man nicht hat. Wir haben kein Haus in Klein Flottbek – überhaupt kein Haus. Keinen Balkon. Und das ist kein Zufall- es ist unsere Entscheidung. Man kann nicht alles haben. Muss nicht alles haben.

Time is free, but it is priceless. You can never own it, but you can use it.You can’t keep it – but you can spend it.

(Harvey Mackay)

Ich habe anstatt dessen Zeit. Zeit zu tun was ich will. Zeit mit meinem Sohn. Zeit mit Freunden. Zeit zum spazieren gehen. Zeit auch mal ein Buch zu lesen.

Ich habe auch Sinn. Ich sehe einen Sinn, eine tiefere Bedeutung, hinter dem was ich tue. Ich habe das Gefühl, ich kann einmal sterben und muss nicht bereuen.

Und ich habe Freude. Freude bei dem was ich tue. Freude bei meiner Arbeit. Freude am Leben.

Und all das würde ich für kein Geld der Welt, und auch nicht für den schönsten Balkon, den größten Garten und tausend Häuser in Klein Flottbek, eintauschen.

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