Ja, ich bin vielleicht ein kleiner Workoholic. Ich liebe es zu arbeiten, Dinge zu bewegen und ich bin gern in Bewegung. Langeweile und Chillen mag ich nur in Maßen und ich fühle mich gut, wenn ich Dinge von meinen ToDo Listen streiche. Es gibt mir mehr Energie, Dinge zu schaffen, andere zu segnen und mit meinem kleinen Leben einen Unterschied zu machen, als es mich Energie kostet.

Doch die letzten Monate waren selbst für eine Workoholic mit einer hohen Belastungsgrenze sehr belastend. Manchmal arbeite ich, bis ich einschlafe und wache wieder auf nur um direkt wieder an die Arbeit zu gehen. Ein Buch schreibt sich eben nicht voll alleine. Und dann war da noch zwischendurch der Umzug mit großer Entrümpelungs-Aktion und ein Wasserschaden im Keller, die Eingewöhnung bei einer neuen Tagesmutter und ein Semester Amharisch Sprachkurs. Nebenbei startet das Fundraising für unser von Spenden getragenes Projekt in Äthiopien und die Aufgaben und Anforderungen scheinen kein Ende zu nehmen. Und eigentlich müsste ich bald zusammen brechen – tue ich aber nicht. Denn ich habe gelernt „I’m better under pressure“. Druck kann uns kaputt machen, aber Druck kann uns auch stärker machen und uns Dinge beibringen, die wir ohne diesen Stress niemals gelernt hätten. Und weil ich in unserer gestressten Gesellschaft vermute, dass ich mit der Last auf meinen Schultern und den Druck in meinem Leben nicht die einzige bin, teile ich heute ein paar Tipps mit euch, die mir helfen mit dem Druck umzugehen und die mich sogar ein besseres Leben leben lassen als vorher.

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Schritt für Schritt 

Immer wieder fragen mich ernsthaft interessierte, emphatische Menschen in meinem Leben: „Und, habt ihr auch Angst?“, wenn wir über unsere Äthiopien Pläne sprechen. Und meistens antworte ich intuitiv wie aus der Pistole geschossen: „Ja, und wie!“ Aber ich verbiete mir, darüber viel nachzudenken. Immer wenn eine Welle der Sorgen und Ängste über mich hinein brechen will, konzentriere ich mich auf heute. Auf den nächsten Schritt. Denn ich befinde mich auf einem Weg in eine Zukunft die extrem viele Unsicherheiten und ungeklärte Fragen mit sich bringt. Und auf der anderen Seite weiß niemand von uns – egal was für Wege wir einschlagen, was morgen bringen wird. Deshalb leben wir heute. Und was hindert uns daran, heute zu genießen? Warum sollten wir uns nicht einmal erlauben, uns keine Sorgen zu machen?

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ToDos aufschreiben 

All die Dinge, die ich machen muss, können mich innerlich verrückt machen! Sie stressen mich und haben die Eigenschaft in meinem Kopf von kleinen Fliegen zu riesigen Elefanten heranzuwachsen. Deshalb schreibe ich sie auf und weiß, ich werde sie nicht vergessen. Aber jetzt mache ich, was ich mir für jetzt vorgenommen hatte. Und ich merke, es erleichtert mein Gehirn ungemein, wenn es sich nicht weiter mit diesen unerledigten Dingen beschäftigen muss und sie loslassen kann. Auf dem Papier können ToDos besser warten als in meinem Kopf. Eine tolle ToDo Liste, die ich benutze findet ihr hier.

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Hilfe suchen und annehmen

Ich lerne diesen Punkt noch. Denn die selbstständige, emanzipierte und starke Sarah in mir, will alles alleine schaffen und niemandem zur Last fallen oder etwas schulden. Aber ich lerne, Gnade anzunehmen und öfter „Ja“ zu sagen, wenn mir jemand Hilfe anbietet. Das können auch kleine Dinge sein, wie z.B. das Freunde anbieten mich bei mir zu Hause zu besuchen anstatt, dass ich mit Kind und Kegel zu ihnen fahren muss. Oder, dass jemand anbietet meine Einkauftaschen die Treppe hochzutragen – an diesen Situationen übe ich. Außerdem haben mein Mann und ich entschieden eine Tagesmutter an angagieren um unseren Kindern eine gute Zeit und uns selbst Freiräume zu schaffen. Das war eine sehr gute Entscheidung. Im ersten Moment ist die Suche und Eingewöhnung natürlich nochmal zusätzliche Arbeit, aber wenn das geschafft ist, ist es für alle Seiten eine so gute Entlastung!

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Ordnung halten

Es hilft mir total, meine Wohnung in Ordnung zu halten, Dinge sofort wegzuräumen und hier in meinem vier Wänden den Kopf über Wasser zu halten. Äußere Ordnung schafft bei mir auch innere Ordnung. Und es ist einfach leichter mir mal eine Pause zu gönnen und mich bewusst aufs Sofa zu setzte, um eine Serie zu gucken, wenn die Wäsche im Wäschekorb wartet und nicht vor meiner Nase.

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Den Sorgen in die Augen gucken

Ich schreibe nicht nur meine ToDos auf, sondern seit einer Weile auch meine Sorgen und Wünsche. Und wenn ich sie aufgeschrieben habe, fällt es mir viel leichter, sie von außen anzugucken und konstruktiv anzugehen. Denn die Fragen „Was ist, wenn…?“ lässt sich oft in konkrete Handlungsschritte umwandeln. Zum Beispiel frage ich mich, was wird, wenn ich diese Deadline nicht einhalten kann? Das wird in meinem Kopf so groß, dass ich innerlich schon total versagt habe, nichts mehr auf die Reihe bekomme und alle enttäuscht habe. Aber wenn ich es mal von außen angucke, kann ich ganz konkret in meinem Kalender sehen und gucken, ob ich es schaffe. Wenn ja ist alles gut und wenn nicht, kann ich früh genug Bescheid geben, dass ich mehr Zeit brauche. Ich habe mir außerdem wochenlang den Kopf darüber zerbrochen, wie das wohl werden wird mit einer Kita in Addis Abeba und habe mir alle möglichen Horrorszenarien ausgemalt; wir sind zu spät dran, unsere Kinder verstehen die Sprache nicht, die Erzieherinnen sind unqualifiziert…. die Liste an Sorgen war endlos. Bis ich mich eines Abends einfach einmal hingesetzt habe und „Daycare Addis Abeba“ gegooglet habe. Und, oh Wunder, plötzlich war meine Welt voller Lösungen und mein Bildschirm voller toller Kitas.

 

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Das Leben genießen

Es gibt so viele Dinge, die nicht in meiner Hand liegen. Und in meiner Zukunft warten so viele Risiken auf mich. Aber was hindert mich eigentlich daran, mich heute zu freuen? Warum sollte ich nicht einfach glücklich sein? Manchmal ist es so, als hätte ich Angst glücklich zu sein und mich zu freuen. In meinem Kopf schwirren so Gedanken wie „Du kannst doch nicht so glücklich sein, bei so vielen Sorgen“ oder „Wenn du dich jetzt zu sehr freust, wirst du vielleicht hinterher noch mehr enttäuscht“. Schwachsinn! Es gibt jeden Tag Grund zur Freude und solange ich kann, will ich mich freuen! Soll der Morgen doch kommen, wer weiß, vielleicht finde ich ja sogar morgen noch genug Gründe um glücklich zu sein.

 

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Es gibt auch noch zwei Dinge, die ich gern noch viel stärker lernen würde:

Handy ausschalten

Dieser online Lärm in meinem Alltag ist schon echt ganz schön krass. Und ich finde eigentlich, ich muss nicht immer erreichbar sein und auch nicht ständig alle Neuigkeiten mitbekommen. Aber so oft schaffe ich es trotzdem nicht, mich von dem ständigen Check auf dem Handy zu lösen.

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Priorisieren und auch mal Menschen enttäuschen

Ich fühle mich total verpflichtet, jede Aufgabe, die an mich herangetragen wird zeitnah zu erledigen. Und ich möchte noch lernen viel stärker zu priorisieren. Und das bedeutet auch, das Dinge, die keine hohe Priorität haben eben warten müssen. Vielleicht auch so lange, bis sie sich von selbst erledigen. Und das bedeutet, ich gehe das Risiko ein, Menschen zu enttäuschen und das mag ich gar nicht. Ich will am Liebsten gefallen und gemocht werden. Aber um das, wozu ich gemacht bin wirklich gut zu machen, kann ich nicht jedem gefallen und auch nicht allen Ansprüchen gerecht werden. Das muss ich echt noch lernen.

Habt ihr noch Tipps und Lektionen, die euch unter Druck helfen? Ich würde mich total freuen, wenn ihr sie mit uns allen hier teilt und wir alle davon profitieren können! Lasst doch gern einen Kommentar hier oder teilt den Link bei Facebook oder Instagram zusammen mit eurem Tipp.

12 Antworten auf „Was mir unter Druck hilft und wie Stress mich besser macht

  1. Wer hat das mal geschrieben mit den „Sandwichtagen“? Nach einem vollen Tag einen weniger vollen planen, oder so… ach, ich kann das auch nicht so gut 🙂 Was mir momentan hilft, sind Zeitlimits. Mir steht manchmal mein Perfektionismus im Weg oder ich verliere mich in einer Tätigkeit und die anderen sind dann aus dem Blick. Und zack, stehen die Schulkinder vor der Tür und ich hab noch nix gekocht, weil ich nicht nachkam. Ich setze mir Zeitfenster für bestimmte Tätigkeiten, das hilft mir. Es ist eine Herausforderung für mich, aufzuhören, wenn ich noch gar nicht fertig bin, aber insgesamt schaffe ich mehr, weil ich an verschiedenen Baustellen weiterkomme 🙂 Außerdem setze ich mir auch persönliche Deadlines, um Zeug wegzuarbeiten… Ich hab zum Beispiel gestern einen Artikel rausgeschickt, der bis Freitag fertig sein sollte. Jetzt hab ich schon Luft für was anderes. Deine Tipps finde ich richtig gut! Vor allem das mit dem „Nein“-Sagen ist mir auch sehr wichtig geworden und manchmal klappt es schon ganz gut… Gegen ausgeprägten Perfektionismus empfehle ich übrigens: Kinder! Ich hatte sie ja schon im Studium und das war echt gut für mich… So habe ich gelernt, auch mal an einem Nachmittag einen Hausarbeit rauszuschmeißen, die gerade eben so gelangt hat für die Anforderungen. Liebe Grüße und alles Gute für euer Abenteuer, Martha

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  2. Uh ja, da finde ich mich in vielem wieder! Ordnung halten und Handy aus sind bei mir auch kleine „Wunderwirker“. Ich habe zum Beispiel auch angefangen, jeden Tag mein Bett zu machen (jap, habe ich früher nicht gemacht…), weil alle möglichen Lifestyle-Blogger gesagt haben, dass das DEN Unterschied macht – und es stimmt sogar, finde ich. 😉 Äußere und innere Ordnung hängen bei mir auch ganz stark zusammen.
    Liebe Grüße!
    Constanze

    Gefällt 1 Person

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