Heute darf ich euch Hanna vorstellen und gleich noch eines ihrer Bücher verlosen! Sie ist freie Autorin und Journalistin und hat einen wunderschönen, süßen Blog „Hanna Buiting: Schreiben ist Gold„. Sie spielt mit Worten als wäre es Musik und hat dabei ein wunderschönes Lächeln, finde ich.

Ihre Texte sind nicht schwer und die, die ich bisher gelesen habe auch meistens nicht so lang. Aber sie haben etwas schönes, entspannendes und bringen mich oft zum Lächeln. Häufig geht es um die kleinen und unscheinbaren Dinge im Leben, die einem gar nicht auffallen würden, wenn Hanna nicht darüber schreiben würde. Zum Beispiel, wie es wäre, wenn wir noch einmal Sommerferien hätten…

Ich darf mit euch einen Text auf ihrem neusten Buch teilen: Und der Regen klingt wie Applaus. Lest selbst, und lächelt bitte!

Lächeln, bitte!

Es passiert in der U-Bahn. In einer von diesen unglaublich langen, wo man von ganz vorne nach ganz hinten laufen kann. Wenn man möchte. Ein wenig erinnert so eine U-Bahn an eine Achterbahn, denn wenn sie um die Kurve rast, kann man zeitweise das hintere Ende nicht mehr sehen. Aber die Leute schreien zum Glück nicht so viel.

Es passiert in einer von diesen Bahnen, in denen man Seite an Seite sitzt. Alle nebeneinander. Als die Türen sich gerade schließen wollen, springt eine junge Frau herein. Durch den Lautsprecher poltert es undeutlich „Hermannplatz. Zurückbleiben, bitte!“, was man nur versteht, wenn man schon mal in Berlin war und diese Station kennt. Die Frau lässt sich erschöpft auf einen der Sitze fallen. Sie trägt eine Manduca, eine Babytrage, vor dem Bauch, die jetzt fast alle haben. Weil die so viel praktischer ist, als ein Kinderwagen, wenn die Aufzüge ohnehin ständig kaputt sind. Außerdem sieht es ganz schön aus. Ein bisschen wie bei einem Känguru.

Jetzt löst die Frau zwei Schnallen, sodass das Baby in der Trage den Kopf wenden kann. Es ist nicht mehr ganz klein, aber auch noch nicht so groß. Es hat sehr runde, sehr dunkle Augen. Wenig Haare, ein Stupsnäschen und kleine, rosafarbene Lippen. Es schaut und schaut. Wendet das Köpfchen, lässt es kurz gegen die Schlüsselbeine seiner Mutter kippen und blickt dann in die andere Richtung. Als würde es herausfinden wollen, wer hier noch alles U-Bahn fährt.

Es passiert an einem Mittwochnachmittag. Es ist erst 17Uhr, aber bereits dunkel draußen und eben gab es einen Schneeschauer. Bald wird Winter sein. Das ahnen hier alle. Die Stimmung ist entsprechend gedrückt. Wobei man das eigentlich nicht nur aufs Wetter und die Jahreszeit schieben kann, denn in Berlin scheint schlechte Laune für viele eine Art Lebensphilosophie zu sein. So auch heute. Seite an Seite sitzen lange Gesichter. Viele davon haben die Augen aufs Smartphone gerichtet, um bloß nicht zu viel von ihrer Umwelt mitzubekommen, um jeden Augenkontakt zu vermeiden. Und doch passiert es:

Das Baby in der Bauchtragetasche fängt an zu glucksen. Die kleinen Lippen öffnen sich dabei und entblößen zwei winzig kleine Schneidezähne. Es schaut direkt in die Gesichter der Leute und lächelt. Unverstellt, ungeniert.

Immer mehr von ihnen blicken auf und es ist, als passiere etwas Ansteckendes: Die Leute lächeln. Ob sie wollen oder nicht. Ihre Blicke bleiben bei dem Baby hängen. Manche neigen entzückt den Kopf etwas zur Seite. Nicht nur die ältere Dame mit dem Hackenporsche und die Frau mit dem Kopftuch und den vielen orangefarbenen Einkaufstüten, sondern auch der junge Mann, der gerade noch sehr breitbeinig dasaß und in sein Smartphone schimpfte, hebt den Blick und lächelt. Kurz nur, fast als fühle er sich ertappt, und doch kann er sich nicht dagegen wehren.

Sie alle scheinen einem Zauber zu erliegen. Einem Zauber, der von diesem Kind in einer Berliner U- Bahn ausgeht, das noch so wenig von der Welt kennt und sie deswegen wenig fürchtet. Ein Kind, das lächelt, einfach, weil ihm gefällt, was es sieht. Lauter Leute, die ein wenig auf und ab hüpfen, wenn die Bahn um eine Kurve rast. Dem Kind ist es egal, ob Mittwoch oder Donnerstag ist, ob es regnet oder schneit. Seine kleine Welt kennt nur das Jetzt und den beruhigenden Herzschlag seiner Mutter. Wie sollte man da nicht lächeln?

Die junge Frau streicht ihrem Baby sanft über den zarten Haarflaum. Auch sie lächelt. Dabei sieht sie eigentlich sehr müde aus. Denn auch dieses Kind kriegt Zähnchen und hat oft Bauchweh und lässt sie nachts daher stundenlang nicht schlafen. Aber sein Lächeln versöhnt sie. Jedenfalls meistens.

Als die Leute nach und nach aussteigen, nicken ihr manche freundlich zu. Ein älterer Herr, der das Obdachlosenmagazin „Motz“ verkauft, bleibt einen Moment vor Mutter und Kind stehen. „Dit is ja ’ne süße Püppi“, sagt er und sein Lächeln zeigt ebenfalls nur zwei Schneidezähne.

Als die junge Frau mit ihrem Kind aussteigt, bleiben die Leute lächelnd zurück. Manche schauen ihr nach und denken: Kind müsste man nochmal sein. Wie einfach alles dann ist. Und wie schön.

(Hanna Buiting, Lächeln bitte!, in: dies., Und der Regen klingt wie Applaus. Worte zum Staunen. Ein Jahreszeitenbegleiter © 2017 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, S. 116.)

 

Teilnahmebedingungen fürs Gewinnspiel: 

  • Kommentiert diesen Post hier oder auf Facebook oder Instagram (wer doppelt kommentiert oder teilt, stiert die Gewinnchancen)
  • Das Gewinnspiel endet am 17.11.2017 um Mitternacht.
  • Der Gewinner wird per DM/Email von mir informiert. Sollte er sich nicht innerhalb von 3 Tagen zurückgemeldet haben, behalte ich mir vor, einen neuen Gewinner auszulosen.
  • Der Gewinn kann nicht in bar ausgezahlt werden.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

9 replies on “Gastbeitrag: Hanna Buiting „Lächeln bitte!“

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